Richard Wagners 200. Geburtstag wird vielfach festlich gefeiert. Arte hat ihm gestern einen Abend gewidmet. Christian Thielemann dirigierte das Orchester der Bayreuther Festspiele („Die Walküre“, „Götterdämmerung“, „Die Meistersinger“) und feierte einen Triumph. Schließlich war Carl Froelichs filmische Hommage an Wagner aus dem Jahr 1913 zu sehen.
Überall ist aber auch die nicht zuletzt politische Kritik an Wagner präsent. Sie wird manchmal den 68ern in die Schuhe geschoben, was bei Licht betrachtet nicht gerechtfertigt ist. Eleonore Büning (FAS 19.5.13) schreibt dazu:
„Ja, schon seit jeher ist das Böse attraktiver als das Gute, das gilt nicht nur für Wagner, auch andere Komponisten, Verdi, Beethoven, Berlioz, Mozart, Schubert wussten das ebenso. Die brutal zerrissenen Ecksätze aus der Hammerklaviersonate, das Dröhnen des „Dies Irae“ aus dem Requiem, wenn die Knochen knacken, der Absturz ins Nichts in Schuberts C-Dur-Symphonie: schreckliche Musik, böse Musik, starke und unwiderstehlich schöne Musik. Sie leuchtet grell und kurz in den Abgrund, den jeder von sich selbst kennt. In der Antike nannte man das Katharsis. Bei Goethe ist es die Kraft, die Gutes schafft. Was für eine gutmenschenfade Heuchelei geht da um unter den Wagnerfreunden, die den Krebs der Bosheit, die Pest des Irrtums, die apokalyptischen Reiter und alle sieben Todsünden am liebsten herausamputieren möchten aus Wagners Musik? Von keinem andern Komponisten, nur von ihm wird das verlangt: Seine Musik soll sich besser benehmen als wir selbst. Schluss damit.“