Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat nach mehr als einem Jahr Arbeit in seiner Abschluss-Sitzung den deutschen Sicherheitsbehörden Totalversagen bescheinigt. Im Fall der rechtsextremen Terrorzelle NSU hätten Polizei und Nachrichtendienste vorurteilsbeladen und mit Scheuklappen ermittelt. Das Versagen sei historisch beispiellos. Allerdings hat der Ausschuss keinen Beleg dafür gefunden, dass staatliche Stellen das Treiben der Mörder gedeckt oder sogar gefördert hätten. (Tanjev Schultz, SZ 17.5.13; Hans Leyendecker, SZ 17.5.13)
Das vollständige Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden hat die Abgeordneten nicht weniger schockiert als die Bürger. Das Entsetzen über Polizei, Justiz und Geheimdienste ist sehr groß. Am Ende blieb keine Behörde übrig, bei der man guten Gewissens sagen konnte, wenigstens sie habe in jeder Hinsicht richtig gehandelt. Verschwörungstheorien blühen weiter. Im Gerichtssaal versuchten die Verteidiger des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben, die Verbrechen als das Werk der Geheimdienste darzustellen. Wer also leichtsinnig unbelegte Spekulationen verbreitet, spielt damit den Rechtsextremen und ihren Ausflüchten in die Hände.
Die Obleute im NSU-Ausschuss fordern grundlegende Reformen in den Sicherheitsbehörden. Auch in der Polizeiausbildung müsse sich eine Menge ändern. In den kommenden Monaten wird der Ausschuss, der mehr als neunzig Zeugen gehört und 8.000 bis 9.000 Akten durchgearbeitet hat, seinen Abschlussbericht anfertigen. Er wird vermutlich mehr als 1.000 Seiten umfassen. Grüne und Linke werden sich mit ihren Forderungen nach einem völligen Verzicht auf die V-Leute, die in diesem Fall auch vollkommen versagt haben, wohl nicht durchsetzen können.