386: Die Stärke der deutschen Volkswirtschaft

Für Peter Bofinger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, kommt der Erfolg der deutschen Wirtschaft nicht von der Agenda 2010, sondern vom Export deutscher Autos nach China und Indien (taz 14.3.13). Er schreibt:

„Unstrittig dürfte sein, dass die Stärke der deutschen Wirtschaft in erster Linie auf seine Industrie und deren hohe Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen ist. Mit seinen Premium-Automobilen und einem technologisch weltweit führenden Maschinenbau war Deutschland optimal positioniert, um die Nachfrage von Ländern wie China oder Indien zu befriedigen. Aber was haben diese Exporterfolge mit Hartz IV zu tun? Kann man ernsthaft behaupten, BMW sei deshalb so stark auf dem chinesischen Markt, weil der Konzern im Zuge der Arbeitsmarktreformen in größerer Zahl Mitarbeiter eingestellt habe, die vor Hartz IV als Langzeitarbeitslose Arbeitslosengeld II beziehen konnten?

Nein, der Erfolg der deutschen Wirtschaft hat nichts mit Gerhard Schröder zu tun, sondern vor allem mit der Tatsache, dass Deutschland mit seinen kleinen und mittelständischen Unternehmen wie auch mit vielen Großunternehmen, die sich im Familien- oder Stiftungsbesitz befinden, über eine von Nachhaltigkeit gekennzeichnete Unternehmenslandschaft verfügt. Durch ihre weitgehende Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt können es sich viele unserer Unternehmen erlauben, eine langfristig ausgerichtete Unternehmenspolitik zu verfolgen. Dies war und ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Unternehmen, die von am kurzfristigen Gewinn interessierten Investoren abhängig sind. So gesehen waren die düsteren Einschätzungen, die man in den Jahren 2003 und 2004 zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen vernehmen konnte (vor allem Hans Werner Sinns ‚Ist Deutschland noch zu retten?‘) klare Fehldiagnosen, …“

Peter Bofinger hat Recht.

Ich schätze bei der Regelung des Arbeitsmarkts die Agenda 2010 trotzdem hoch ein.

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