Am 5. März 1953 starb Josef Stalin, der große sowjetische Diktator und Massenmörder. Aber im Gegensatz zu seinem Antipoden, dem anderen großen Diktator und Massenmörder in Deutschland, Adolf Hitler, genießt Stalin im heutigen Russland wieder ein „stabil hohes Ansehen“ (Michael Schindhelm SZ 5.3.13). Dabei hat Stalin über fast dreißig Jahre ein Terrorregime über die Sowjetunion verhängt (1924-1953). Alexander Solshenizyn hat in seinem „Archipel Gulag“ (1974) die erste große Aufarbeitung des Stalinismus vorgelegt. Nikita Chrustschew hatte auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 erstmals mit Stalin abgerechnet. Das ist ihm nicht gut bekommen. 1964 wurde er durch Leonid Breschnew ersetzt.
„Stalins Sowjetunion war nach außen einen Siegermacht, nach innen, tief drinnen, eine Gesellschaft, in der Gut und Böse, Himmel und Hölle ununterscheidbar geworden waren.“ Aber Stalin stand auch für den Sieg über das faschistische Deutschland. Dies ist nicht wegzudiskutieren. Und so hat kürzlich der russische Vizepremier Dmitrij Rogosin angeregt, die Stadt Wolgograd wieder in Stalingrad zu benennen. Es mag sein, dass die Russen besonders unter dem Ende der Sowjetunion leiden, während einige der ehemaligen Sowjetrepubliken diesen Moment als den Aufbruch in die Freiheit empfinden. Die Lage in Russland ist 2013 jedenfalls schlecht. „Schätzungsweise zwischen zehn und zwanzig Millionen Menschen sind seit dem Ende des Kommunismus einen vorzeitigen Tod gestorben – so viele Russen sind auch im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen.“ Die Geburtenrate ist halb so hoch wie zu Stalins Zeiten, die Bevölkerung schrumpft. Die Schere zwischen arm und reich wird ständig größer. Von Demokratie kann keine Rede sein.
Wie gehen nun eigentlich die deutschen Kommunisten („Die Linke“) mit Stalin und dem Stalinismus um? Verschieden. Während Gregor Gysi wie jedes Jahr im Januar anlässlich der Erinnerung an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch die Reichswehr 1919 nach dem Marsch zur „Gedenkstätte der Sozialisten“ auch zu dem unauffälligen Mahnmal für die Opfer des Stalinismus geht, tut Sarah Wagenknecht das nicht. Daran wird ersichtlich, dass die deutschen Kommunisten noch keine gemeinsame überzeugende Art der Auseinandersetzung mit dem Stalinismus gefunden haben. Nun soll eine neue Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus an der Parteizentrale, dem Karl-Liebknecht-Haus, angebracht werden. Im Karl-Liebknecht-Haus hatte von 1928 bis 1933 das Zentralkomitee der KPD gewirkt. Die Gedenktafel soll das „ehrende Gedenken an Tausende deutscher Kommunistinnen und Kommunisten, Antifaschistinnen und Antifaschisten, die in der Sowjetunion zwischen den 1930er und 1950er Jahren willkürlich verfolgt, entrechtet, in Straflager deportiert, auf Jahrzehnte verbannt und ermordet wurden“ fördern.
Stalin hatte mehr deutsche Kommunisten ermorden lassen als Hitler.
Das Mahnmal für die Opfer des Stalinismus in der „Gedenkstätte der Sozialisten“ wird von Teilen der „Linken“ als „Provokation“ abgelehnt (Daniel Brössler SZ 5.3.13).