365: Mit Freud gegen die Homo-Ehe ?

Nun gibt die CDU gerade ihre Vorbehalte gegen die Homo-Ehe auf (einschließlich Veränderungen beim Ehegatten-Splitting). Da melden sich Bedenkenträger mit Argumenten, die hoch aufgehängt sind. So Jacques Schuster in der „Welt“ (23.2.13).

Er bezieht sich ausgerechnet auf Sigmund Freud. Und seine Gefolgsleute Alexander Mitscherlich, Bruno Bettelheim, Horst Eberhard Richter und Wolfgang Schmidbauer. „Die Debatte um das Betreuungsgeld und die Krippenplatzpflicht belegt das genauso wie die Diskussion darüber, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Jeder, der sich mit dem Seelenleben des Kleinkindes beschäftigt hat, weiß, wie wichtig die ersten Jahre des Menschen sind und wie förderlich für die weitere Entwicklung die Nähe zu den unmittelbaren Bezugspersonen ist – sei es die Mutter oder der Vater. Heute wird die Krippe hingegen gefeiert, als lebten wir in der DDR, als sei sie das Paradies der Menschwerdung und als seien die Eltern verstaubt und verschroben, die wenigstens in den ersten Jahren die familiäre Geborgenheit dem Kindergarten vorziehen. Typisch deutsch ist dabei die Wucht der Debatte. Niemals lässt sie ein Sowohl-als-auch zu, sie kennt nur ein Entweder-oder.“

Dagegen könne man an Sigmund Freud erinnern. „Freud erläuterte, wie wichtig für das Erwachsenwerden des Sohnes und der Tochter Vater und Mutter sind – und das je nach Alter in wechselnder Bedeutung. Welche bösen Folgen die Abwesenheit des Vaters für eine Gesellschaft haben kann, hat Alexander Mitscherlich beschrieben. Ähnlich ergeht es den Kindern, denen die Mutter fehlt. Söhne ohne Väter wollen als Erwachsene männlicher erscheinen, als sie sind, weiß Wolfgang Schmidbauer. Der Münchener Psychoanalytiker weist darauf hin, dass sie in Liebesbeziehungen schnell Probleme bekommen werden. Mädchen, die nur Mütter kannten, können sich nur schwer von denselben lösen. Auch ihre Beziehungen stehen in Gefahr, von den Gespenstern der Kindheit gestört zu werden. Kurzum: Kinder brauchen Mütter und Väter.“

Schuster rät denjenigen, die Bedenken gegen die neuen Entwicklungen hegten, zumindest die schonungslose Art zu übernehmen, in der Freud Fragen an die Gesellschaft stellte. „Auf unsere Zeit bezogen, könnten sie lauten: Wie entwickelt ein Junge seine männliche und ein Mädchen seine weibliche Identität?“

Ganz sind die Überlegungen m.E. nicht in den Wind zu schlagen. Aber ich bin mir sicher, dass die geballte Kompetenz von „Experten“ sie demnächst dekonstruieren wird.

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