353: Kathryn Bigelows Fim „Zero Dark Thirty“ ist ein Film für die Folter.

Kathryn Bigelows Film „Zero Dark Thirty“ propagiert Folter als legitimes Mittel, an Informationen zu gelangen. Ich möchte wissen, wie viel Geld das Pentagon zur Finanzierung beigetragen hat. Ich stütze mich hier zusätzlich auf Karen Greenbergs Analyse (SZ 2./3.2.13). „Im Kern behauptet Bigelows Film, dass Folter den Vereinigten Staaten tatsächlich dabei half, den Haupttäter (Bin Laden, W.S.) von 9/11 aufzuspüren.“ Für Karen Greenberg handelt es sich nicht nur um die Rechtfertigung von Folter, sondern auch um die Legitimierung des globalen Netzwerks von geheimen Gefängnissen. Sie erkennt sieben Regeln zur Propagierung von Folter.

1. Erzeuge Angst

Anfangs hören wir die Hilferufe der im World Trade Center Eingeschlossenen. Dann wird der Beschuldigte verprügelt und gefesselt. Dann wiederholt Bigelow Dick Cheneys Forderung, nun müsse Amerika auf die „dunkle Seite“ wechseln. Schließlich werden in sehr blutigen Aufnahmen die weiteren Anschläge auf die USA und ihre Einrichtungen gezeigt.

2. Untergrabe das Gesetz

Folter ist überall vollkommen verboten. Der Film stellt darauf ab, dass Dick Cheney und Condoleza Rice mehrfach Foltertechniken vorgeführt wurden, so dass deren Genehmigung, sie anzuwenden, so etwas wie „Legalität“ nach sich zog. „Zero Dark Thirty“ nimmt diese verfassungswidrige Politik hin, … Von den allerersten Tagen an trieb die US-Regierung im Krieg gegen den Terror Personen auf der ganzen Welt zusammen und begann, sie brutal zu verhören. Egal ob sie wirklich Informationen preisgaben oder nicht, ob es Beweise gegen sie gab oder nicht: Sie hielten hunderte, im Endeffekt sogar tausende Gefangene in US-Verwahrung – in geheimen CIA-Gefängnissen auf der ganzen Welt, in Gefängnissen verbündeter Staaten, die ihrerseits für ihre Folterpolitik bekannt waren, im Bagram Detention Center in Afghanistan, und natürlich in Guantanamo, dem Kronjuwel des Offshore-Internierungssystems der Bush-Regierung“.

3. Gib dich dem Horror hin

„Während der ersten Stunde präsentiert der Film Folterpraktiken mit geradezu pornografischer Lust am Detail. ‚Zero Dark Thirty‘ kopiert damit im Wesentlichen den Fetischismus, den die Spitzenfunktionäre der Bush-Regierung auf diesem Gebiet entwickelten.“ Der Film zeigt Folterungen in allen pikanten Einzelheiten. Bigelows Kamera genießt diese Grausamkeit. „Waterboarding, Stress-auslösende Haltungen, Schläge, Schlafentzug, der zu Gedächtnisverlust und starker Desorientierung führt, sexuelle Erniedrigung, Einschluss in kleine Kisten und mehr. Das hatte ja zu den berüchtigten Fotos aus Abu Ghraib geführt.

4. Entmenschliche die Opfer

Trotz wiederholter Schläge , Erniedrigungen und aggressiver Foltertechniken wirkt das Opfer zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd sympathisch.

5. Zweifle nie daran, dass Folter funktioniert

Die Folterer drohen dem Opfer immer wieder damit, dass es am Ende doch zerbrechen werde. Das sei Biologie. Karen Greenberg dagegen verweist darauf, dass Foltern keineswegs überwiegend zu treffenden Informationen geführt habe.

6. Ziehe niemanden zur Rechenschaft

„Die traurige Wahrheit ist, dass ‚Zero Dark Thirty‘ nie so hätte produziert werden können, wenn nur einer der Regierungsangehörigen, die die US-Folterpolitik geplant und umgesetzt haben, zur Rechenschaft gezogen worden wäre.“

7. Halte dich an die Medien

Während die Bush-Regierung die Fernsehserie „24“ hatte, die allwöchentlich daran erinnerte, dass Folter unsere Sicherheit garantiert, hat die verantwortungslose amtierende Regierung nun Bigelows Film auf ihrer Seite. Es ist ein perfektes Propagandastück mit dem ganzen Reiz, den nackte Brutalität, Furcht und Rache hervorrufen können.

Hollywood und die meisten US-Kritiker haben den Film mit Begeisterung aufgenommen. Er wurde für fünf Oscars nominiert. Die einstige Bastion des Liberalismus, Hollywood, liefert so die perfekte Rechtfertigung der Folter.

Das ist im Übrigen der Grund, weshalb die moralische Integrität der USA untergraben ist. Hauptsächlich ist dafür die Bush-Administration verantwortlich. Die Obama-Administration setzt allerdings auf manchen Gebieten diese Politik fort. Das beeinflusst auch die Diskussion über Drohnen. Europa kann sich nicht zurücklehnen und den USA immer die Drecksarbeit überlassen. Es muss eigene Konzepte ohne Folter entwickeln, um dem Terrorismus wirksam begegnen zu können. Wir benötigen bald eine einheitliche europäische Außen- und Verteidigungspolitik.

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