338: Werner Spies – der größte Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts ?

In der Affäre um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi 2012 war der Kunsthistoriker Werner Spies in Bedrängnis geraten. Denn er hatte, entlohnt mit hohen Provisionen, als Experte sieben Fälschungen Beltracchis als Originale bewertet. Zudem war er an der Weitervermittlung wirtschaftlich beteiligt. Der größte Propagandist Max Ernsts („Dadamax“) hatte in Frankreich eine außergewöhnliche Karriere als Kunsthistoriker, Museumsdirektor, Kritiker, Kurator und Experte begonnen. Für den 1891 in Brühl bei Köln geborenen Max Ernst, dessen Vertrauen er früh gewonnen hatte, warb er lange sehr erfolgreich. Das kam zum Ausdruck insbesondere in Retrospektiven in der Tate Gallery und im Centre Pompidou. Die Eröffnung eines eigenen Museums für Max Ernst 2005 in Brühl wurde wie ein Staatsakt gefeiert.

Nun hat sich anlässlich einer Max Ernst-Retrospektive in der Albertina in Wien, die von Werner Spies kuratiert wird, Catrin Lorch den Kunsthistoriker vorgenommen (SZ 29.1.13). Ihre Vorbehalte gegen Max Ernst bringt sie dabei deutlich zum Ausdruck. Er werde weithin überschätzt. Für ihn sei das leere Blatt, die leere Leinwand das Unheimlichste geblieben. Um den Beitritt zum Surrealisten-Kreis um André Breton (Tzara, Aragon, Soupault et alii) habe er sich regelrecht beworben, um dann die literarische Avantgarde zu „illustrieren“.

Dass Werner Spies nach der Beltracchi-Affäre in Wien zum Kurator der Ausstellung gemacht wurde, kommt Catrin Lorch bedenklich vor. „So eine Auswahl einem Mann zu überlassen, der in Marktklüngel und Zuschreibungsprobleme verstrickt war, kann man zumindest als unsensibel empfinden – gegenüber dem Publikum, aber auch gegenüber der eigenen Zunft der Kunsthistoriker und Museumskuratoren.“ Der Direktor der Wiener Albertina, Klaus Albrecht Schröder, weist demgegenüber darauf hin, dass Werner Spies in seinem Berufsleben 400 Max Ernst-Fälschungen „aussortiert“ habe. Sieben Bilder falsch zugeschrieben zu haben, sei da doch eine gar nicht so schlechte Quote. Für Schröder ist Spies der „größte Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts“.

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