Mit großem Ballyhoo wird Quentin Tarantinos neuer Film „Django Unchained“ (mit Christoph Waltz) in Deutschland gestartet. Tarantino hat u.a. die Bücher für „Reservoir Dogs“ (1992) und „Natural Born Killers“ (Oliver Stone 1994) geschrieben. Einige seiner Filme waren Welterfolge: „Pulp Fiction“ (1995), „Jackie Brown“ (1997), „Kill Bill“ (2003/04), „Inglorious Bastards“ (mit Christoph Waltz). Kritiker (u.a. Spike Lee) werfen Tarantino hin und wieder Gewaltverherrlichung vor. Das könnten wir nur tun, wenn wir der Ansicht wären, filmisches Geschehen diente direkt der Nachahmung. Dies gilt wohl nur in Einzelfällen bei Tätern, die starke Dispositionen zur Gewalt mit sich bringen.
Tarantino, der für die Werbung gerne das „Enfant terrible“ spielt, hat nun die US-Sklaverei mit dem Holocaust verglichen (Susan Vahabzadeh SZ 10.1.2013). Er sagt: „Amerika ist für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich: für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels.“ Nur gäbe es darüber kaum Filme. „Das wird Ihnen als Deutsche seltsam vorkommen. Sie sind alle gezwungen worden, sich bis zur Bewusstlosigkeit immer und immer und immer wieder mit der Schuld ihres Volkes auseinanderzusetzen. Den Amerikanern ist es gelungen, irgendwie darüber hinwegzugleiten.“
Nun tun sich die US-Amerikaner leichter mit dem Begriff „Holocaust“ als die Deutschen, bei denen er sofort Überlegungen zur „Political Correctness“ hervorruft. Es gibt zwei Bücher, die über die Eroberung Nordamerikas den Begriff „Holocaust“ im Titel führen: David E. Stannards „American Holocaust“ und Russel Thorntons „American Indian Holocaust and Survival“. Auch der Terminus „African Holocaust“ ist im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel gebräuchlich.
Möglicherweise will sich Tarantino einer anderen Kritik entziehen. Spike Lee, sein Regie-Kollege, hat sie kürzlich auf Twitter geübt: „American slavery was not a Sergio Leone Spaghetti Western. It was a Holocaust.“ Lee meint, dass Tarantino respektlos „mit meinen Vorfahren“ umgeht. Schon bei „Jackie Brown“ (1997) hatte Lee gezählt, wie oft das Wort „Nigger“ fällt.
Dies Vorgehen ist ziemlich inakzeptabel, weil es bei „Nigger“ ja auf den Kontext ankommt. Sind wir uns darüber im Klaren, wie oft bei Mark Twain der Begriff „Nigger“ fällt. Das zählen doch nur Follower der „Political Correctness“. In Deutschland macht das Ministerin Schröder, wenn sie ihren Kindern vorliest.