61 Prozent der Gesellschafteranteile am Suhrkamp Verlag hält die Siegfried und Ulla Unseld-Familienstiftung, 39 Prozent die Medienholding Winterthur. Beide haben beim Landgericht Frankfurt beantragt, den je anderen aus der Gesellschaft auszuschließen (Lothar Müller, SZ 7.12.12). Das hat den Vorsitzenden Richter Norbert Höhne veranlasst zu sagen: „Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen.“ Der Chef der Medienholding Winterthur, Hans Barlach, ein Neffe Ernst Barlachs, hat die Lage durch einen Zusatzantrag verschärft, der verlangt, dass bei einem Scheitern seines Antrags das Gericht die Auflösung der gesamten Gesellschaft verfügen möge. Das würde bedeuten: Aufteilung des Verlagsvermögens auch gegen den Willen der Mehrheitsgesellschafterin Ulla Unseld.
Damit droht einer der wichtigsten Verlag der Nachkriegszeit in Deutschland zu verschwinden. Der Verlag ist vor drei Jahren nach Berlin gezogen.
Beim Landgericht prozessieren beide Parteien darüber, ob die Suhrkamp Geschäftsführung Verlagsgelder bei der Renovierung und Anmietung der Privatvilla von Frau Unseld für repräsentative Empfänge und Autorentreffen veruntreut hat.
Hans Barlach beziffert den Verlagswert auf 75 Millionen Euro, was es der Unseld-Stiftung als Mehrheitsgesellschafterin unmöglich machen würde, die Medienholdung Winterthur auszuzahlen. Denn das würde dann knapp 30 Millionen Euro kosten.