262: Yasmina Rezas Blick auf Männer

Das neue Stück der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza „Ihre Version des Spiels“ wird am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. 2006 hatte sie mit „Der Gott des Gemetzels“ einen Welterfolg gelandet. Das Stück wurde von Roman Polanski auch verfilmt. Joseph Hanimann hat Yasmina Reza interviewt (SZ 28.9.12).

SZ: Sie sprechen von der bevorstehenden Uraufführung im Deutschen Theater Berlin. Ist das für Sie ein Trostpreis oder eine Revanche gegenüber den französischen Bühnen?

Reza: Es ist ja schon das dritte Mal, dass ein Stück von mir auf Deutsch uraufgeführt wird. Ich kenne und liebe das Deutsche Theater in Berlin. Und Deutschland ist für mich absolut erstrangig. Dieses Land hat mir eine Chance gegeben, von Anfang an. Die deutsche Kritik hat meine Stücke sofort zur Kenntnis genommen, nicht immer positiv, aber immer aufmerksam und gründlich. Man hat meine Texte in großen Häusern und mit großen Regisseuren und Schauspielern gespielt. In einem Interview sagte Woody Allen einmal, er werde Frankreich auf immer lieben, weil es wie kein anderes Land sein Werk aufgenommen habe. Dieses Land ist für mich Deutschland.

SZ: Trotz seiner Geschichte, für Sie als Jüdin?

Reza: Deutschland hat sich ausreichend mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt. Ich habe mit diesem Land nicht das geringste Problem in Bezug auf meine Herkunft. Überdies habe ich durch meine Mutter, die ihre Jugend zwischen Wien und Budapest verbrachte, eine Empfänglichkeit für die deutschsprachig geprägte Kultur Mitteleuropas.

SZ: Gibt es auf dem deutschen Theater auch Dinge, die Sie stören?

Reza: Jedes Land bringt über Kostüme, Bühnenbild und Spielweise Züge seiner Kultur ein. Die Deutschen gehen manchmal weit im Krassen und Lauten, bis hin zu Ekel und Trash. Man treibt die Dinge gern auf die Spitze. Das stört mich an sich nicht, es gibt keine gute und schlechte Ästhetik. Es ist nur eine Frage der Kohärenz. Jürgen Goschs krasse Inszenierung meines Stücks „Der Gott des Gemetzels“ in Zürich und Berlin hat mir zum Beispiel sehr gefallen. Ich habe das Stück in Paris selber allerdings ganz anders inszeniert, in einer wohl eher französischen Art der Zurückhaltung und Andeutung.

SZ: In ihrem Stück kommt ein Polizeiinspektor vor, den eine Frau bittet, er möge für Sie jemanden umbringen. Dieser Inspektor ist ein Man von der alten Schule, perfekt in den Umgangsformen und ein bisschen Macho. Ist diese Figur als Nachruf auf eine aussterbende Gattung Mann zu verstehen?

Reza: Diese Figur hatte ich schon lange im Kopf, und sie wird auch in einem künftigen Werk von mir wieder auftauchen. Seit dem Erscheinen des Buches spricht man mich oft auf diesen Mann an, obwohl er im Text nur nebenbei auftritt. Vielleicht fasziniert er tatsächlich durch seine selten gewordene Art, zwischen „Old Style“ und Western. Es kommt ja nicht mehr oft vor, dass ein Mann bereit ist, für eine Frau jemanden zu töten.

SZ: Bald werden die Frauen das vielleicht ohnehin selber besorgen.

Reza: Wie schade. Mir sind die Zeiten lieber, in denen die Frauen für gewisse Dinge die Männer brauchen, und umgekehrt.

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