Christoph Starks Film „Tabu – es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ (mit Lars Eidinger, Peri Baumeister, Rainer Bock) über einen der größten deutschsprachigen Lyriker, Georg Trakl (1887-1914), kommt ins Kino. Hier in meinem Blog habe ich nur die beiden Trakl-Gedichte „Verklärter Herbst“ und, das bekannteste, „Grodek“ abgedruckt. Aber schon dieses Gedicht enthält die vielsagende Zeile „Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain“.
Verständlicherweise wendet sich der Film in erster Linie den plakativ zu zeichnenden Zügen des Dichters zu: seiner Impulsivität, seiner Drogensucht, seinem Kettenrauchen. Trakl hat sich Anfang des Ersten Weltkriegs als Sanitätssoldat im Osten aus Verzeiflung umgebracht. Permanent wurde das wohl inzestuöse Verhältnis zu seiner Schwester Grete thematisiert. Im Film spielt das Gedicht „Blutschande“ eine zentrale Rolle. „Es dräut die Nacht am Lager unsrer Küsse. Es flüstert wo: Wer nimmt von euch die Schuld? Noch bebend von verruchter Wollust Süße. Wir beten: Verzeih uns, Maria, in deiner Huld.“
Ich schreibe hier das Gedicht „An die Schwester“ hin:
„An die Schwester
Wo du gehst wird Herbst und Abend/Blaues Wild, das unter Bäumen tönt/Einsamer Weiher am Abend.
Leise der Flug der Vögel tönt/Die Schwermut über deinen Augenbogen/Dein schmales Lächeln tönt.
Gott hat deine Lider verbogen/Sterne suchen nachts, Karfreitagskind/Deinen Stirnenbogen.“