Jan Techau, der Direktor des außenpolitischen Forschungsinstituts Carnegie Europe in Brüssel, hat in einem Gastkommentar in der SZ (8.5.12) erläutert, dass die Versöhnung mit uns selbst die Voraussetzung für eine verantwortungsvolle und wirksame Außenpolitik ist. Diese kann schwere Fehler vermeiden wie die Weigerung Deutschlands, im UN-Sicherheitsrat den Militäreinsatz in Libyen zu unterstützen. Dafür trägt Außenminister Guido Westerwelle die Hauptverantwortung. Aber damit beschäftigt sich Techau nur am Rande.
Hauptsächlich knüpft er an Richard von Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1985 an, in der der damalige Bundespräsident die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg treffend als Befreiung bezeichnet hatte. Es war die Befreiung von einem verbrecherischen System, von dem wir Deutschen uns nicht selber hatten befreien können.
Für Jan Techau muss zu der Befreiung von außen nun endlich die innere Befreiung hinzukommen. Wir müssen die Haltung überwinden, dass das Misstrauen gegen uns selbst als Tugend gilt. Wir sind zu einem normalen Mitglied der Vereinten Nationen geworden. Eine relativ starke Wirtschaftsmacht. Ein verlässlicher Partner in NATO und EU. Und der polnische Außenminister Radoslav Sikorski verlangt zu Recht von Deutschland eine stärkere Beteiligung bei der Lösung von internationalen Krisen.
„Und die Deutschen müssen verstehen, dass sie (außer für ein paar unverbesserliche Hitlerbärtchenmaler) nicht mehr unter Generalverdacht stehen – sondern dass ihr Land als internationale Macht für eine bessere Welt geschätzt ist.“
Für Techau müssen wir uns selbst vergeben, ohne zu vergessen! Damit hat er vollkommen Recht. „Vergebung befreit zur Verantwortung, nicht aber von der Vergangenheit.“
Techau verlangt, dass wir in der EU mit Elan und Kreativität die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik mitbauen und uns materiell und ideell an der Fortentwicklung der NATO beteiligen. Wir sollten auch die Beteiligung an Militäreinsätzen in Betracht ziehen und bei Kampfeinsätzen nicht einfach kneifen. Das ist gewiss eine schwere Bürde. Aber sie entspricht unserer Verantwortung.
„Diese Verantwortung ist den Deutschen zumutbar, genauso wie ihnen ihre Geschichte zumutbar ist.“