Boko Haram = Westliche Bildung ist Sünde.

Im Leitartikel der SZ (24.1.2012) bewertet Matthias Drobinski die Gewalt gegen Christen vor allem in Nigeria. „Keine Religion ist weltweit derart der Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt wie das Christentum.“ Diese Gewalt habe in der letzten Zeit stark zugenommen. Und es gäbe keine Nachricht davon, dass radikale Christengruppen Sprengstoff in Autos geladen und Hunderte Menschen in die Luft gesprengt hätten.

Drobinski plädiert nicht für schlichte Gegenmaßnahmen. Vor allem weil er uns klarmacht, dass das Christentum in der Zeit des Kolonialismus häufig für machtpolitische Zwecke eingesetzt worden ist, indem einzelne Ethnien christianisiert und mit Waffen versorgt wurden, um andere zu beherrschen. Doch rechtfertige dies auch nicht die heute gegen Christen geübte Gewalt. Vielmehr sollten wir uns bewusst sein, dass mit den Christen häufig auch der Westen gemeint sei. Der Name der fundamentalistischen islamischen Gruppe Boko Haram bedeute in der Übersetzung

„Westliche Bildung ist Sünde.“

Drobinski: „Es wäre sicher die naive Parteinahme des Westens für alle falsch, die sich auf diesem Globus – warum auch immer – Christen nennen; dies würde die religiös motivierten oder begründeten Konflikte der Welt noch verschärfen. Es verschärft aber auch die Untätigkeit die religiös begründete Gewalt; die Untätigkeit gibt dem Mörder und dem Selbstmordattentäter recht.“ Für Drobinski muss die

Religionsfreiheit

ein Thema der Diplomatie, der Entwicklungszusammenarbeit und der internationalen Missionen werden. Die Christen im Westen sollten die weltweite Gewalt gegen Christen benennen und kritisieren dürfen, „ohne deshalb als Spätkolonialisten und Religionskrieger dazustehen“. „Sie sollten auch die Solidarität mit den verfolgten Christen nicht den Randgruppen überlassen, die damit die Abwertung von Andersgläubigen begründen.“ Die Muslime im Westen sollten sich in Wort und Tat glaubwürdig von den Gewalttätern trennen, die den Namen Gottes missbrauchten.

„Vor allem aber sollte ein Gemeinwesen, das die Religionsfreiheit zum Grundrecht erhoben hat, eines vermeiden: Vergeltung zu fordern. Moscheebauten und Minarette zu verbieten, weil in der Türkei oder in Saudi-Arabien keine Kirchen gebaut werden können, weil in Nigeria Kirchen brennen – das entwertet jede Forderung nach Religionsfreiheit. Denn diese gibt es nur universal oder gar nicht.“

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