Die von Premierminister Cameron in Brüssel geführte Isolationspolitik hat die Regierungskoalition in London in eine Krise gestürzt. Die Liberaldemokraten als Juniorpartner haben ihre Ablehnung von Camerons Linie sehr deutlich ausgesprochen. Vorher galten sie eher als Weicheier, weil sie z.B. der Erhöhung der Studiengebühren zugestimmt hatten, obwohl sie im Wahlkampf deren Abschaffung gefordert hatten. Nun haben sie ihr Thema gefunden, mit dem sie Cameron piesacken können. Eines ist klar, dass die Liberaldemokraten von Nick Clegg klare Pro-Europäer sind.
Das scheint bei dem Konservativen ganz anders zu sein. Hier hat Cameron die Euroskeptiker geradezu entfesselt. Und 57 Prozent der Briten glauben angeblich, dass Cameron in Brüssel richtig gehandelt habe. Oder handelte es sich um außenpolitische Naivität? Nicht abzusehen sind nämlich die Folgen für die britische Wirtschaft, die auf ihre Exporte nach Europa angewiesen bleibt. Als 1958 die Briten der EWG fernblieben, da war es schon einmal die Wirtschaft, die auf eine Annäherung an Europa drängte. 1973 mit Erfolg. Entweder bleibt Cameron ein schwacher Premierminister, oder die britische Regierung findet zu einem europafreundlicheren Kurs zurück. „Splendid Isolation“ funktioniert nicht mehr.