Theo Zwanzigers Ankündigung seines Rücktritts im Oktober 2012 kommt überraschend. Wahrscheinlich zieht er es vor, seinen Rückzug bekanntzugeben, bevor in der Affäre Amerell/Kempter weitere Details ans Licht kommen. Und Manfred Amerell ist in dieser Hinsicht Hartnäckigkeit zuzutrauen. Am Mittwoch kommt es zum nächsten Treffen der Kontrahenten vor dem OLG Stuttgart.
Zwanziger war nach dem Rückzug Gerhard Mayer-Vorfelders 2006 für Frauenfußball, Amateure und Breitensport angetreten. Und hat er nicht den einst verstaubten Männerbund DFB erfolgreich modernisiert? Zwanziger steht glaubwürdig für die soziale Verantwortung des Fußballs und für den Kampf gegen Rassismus und Homophobie. Gleichzeitig spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft einen Fußball, wie er so schnell, elegant und erfolgreich lange nicht gespielt worden ist. Ein Genuss, dem zuzuschauen. Aber das hat weniger mit Zwanziger zu tun.
Zwanziger sieht angeblich auf nationaler Ebene „keine Herausforderungen mehr“. Das klingt nicht glaubwürdig. Wir erinnern uns noch zu gut an den Machtkampf mit Rainer Koch. Der Prozess um Manfred Amerell geht weiter. Gegen mehr als zwanzig Schiedsrichter wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Gewaltorgien einiger Ultras wollen domestiziert und überwunden werden.
Erstaunlich auch, dass Zwanziger seine Funktionen in Uefa (bis 2013) und Fifa (bis 2015) behalten will. Seine Macht und seine Einwirkungsmöglichkeiten schwinden dort, wenn er nicht mehr DFB-Präsident ist. Bei der Fifa wollte Zwanziger doch „neue, transparente und demokratische Strukturen“ schaffen. Darauf können wir dann wohl noch lange warten. Vielleicht ist es die Aufwandsentschädigung bei der Fifa (100 000 Dollar) plus Spesen, die Zwanzigers Haltung begründet.
Als Nachfolger sind bereits Erwin Staudt, der frühere Clubchef des VfB Stuttgart, und Wolfgang Niersbach, der DFB-Generalsekretär, vorgeschlagen worden. Weil es Franz Beckenbauer war, der Niesbach vorgeschlagen hat, rechne ich damit, dass wir 2012 Wolfgang Niersbach als neuen DFB-Präsidenten bekommen.