Rechtsextremistische Morde, eine deutsche Tradition: Kurt Eisner (1919), Matthias Erzberger (1921), Walter Rathenau (1922), Rudi Dutschke (Anschlag 1968)

Rechtsextremistische Morde haben in Deutschland eine traurige Tradition. Das rufen die Morde der rechtsextremistischen Bande aus Thüringen an Ausländern und Migranten uns ins Gedächtnis. Und diese Morde sind in der Weimarer Republik im Durchschnitt viel milder bestraft worden als entsprechende Delikte von links. Der Heidelberger Mathematiker Emil Gumbel hat von 1919 bis 1922 354 politische Morde von rechts und 22 von links gezählt. Nach den Morden der Linken gibt es zehn Hinrichtungen und für jede Tat im Durchschnitt 15 Jahre Haft. Ein rechter Mörder kommt im Schnitt mit vier Monaten Gefängnis davon.

Den Anfang markiert der Mord am bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der 1919 auf dem Weg in den Landtag erschossen wird. Dort will Eisner seinen Rücktritt erklären. Der Kommunist Eisner ist bei der völkischen und antisemitischen Rechten besonders verhasst. Er hat die bayerische Monarchie gestürzt. Der Mörder ist ein Leutnant. Nach dem Ersten Weltkrieg gibt es besonders viele potentielle und tatsächliche Mörder in den rechten Freikorps, die sich mit der deutschen Niederlage nicht abfinden wollen. Am bekanntesten sind die Brigade Ehrhardt und die Organisation Consul. Sie sind bis 1920 an Putschversuchen gegen die Demokratie beteiligt. Aus diesen Kreisen stammen auch die Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (1919).

Der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der 1918 das Waffenstillstandsabkommen unterschreiben musste, wird 1921 von drei Männern erschosssen. Dabei sind zwei entlassene Offiziere. Nach diesem Mord werden 34 Hintermänner verhaftet. Der Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann, der 1918 die Republik ausgerufen hatte, wird 1922 Opfer eines Anschlags. Scheidemann setzt sich mit seinem Revolver zur Wehr und überlebt. Die Täter stammen aus der Brigade Ehrhardt und der Organisation Consul. Reichsaußenminister Walter Rathenau wird 1922 auf der Fahrt ins Ministerium mit einer Maschinenpistole erschossen. Seine Ausgleichs- und Verständigungspolitik war den Tätern ein Dorn im Auge. Ende der zwanziger Jahre übernimmt die SA mit anderen Methoden (Saalschlacht, Straßenkampf, Prügelei, Meserstecherei) die Rolle der Mörder. Im Reichstagswahlkampf 1932 fallen 300 Personen politischer Gewalt zum Opfer.

Nach 1945 wird in der Bundesrepublik Rudi Dutschke zum Opfer rechtsextremer Gewalt. Der Hilfsarbeiter Josef Bachmann, der in rechtsextremen Kreisen verkehrt, schießt 1968 dreimal auf Dutschke. Daran stirbt der Studentenführer Jahre später in Dänemark. 1980 verübt der rechtsextreme Student Gundolf Köhler aus Tübingen mit einer Bombe einen Anschlag auf das Münchener Oktoberfest. 13 Menschen sterben. Heute müssen wir uns fragen, ob Köhler nicht Helfer gehabt hat. Am 9. September 2000 beginnt die Mordserie der aus Thüringen stammenden Rechtsextremisten an Migranten und Ausländern. Die Strafverfolgens-Behörden prüfen zur Zeit, ob es ein Unterstützer-Netzwerk gegeben hat. Mehrere Landesämter für Verfassungsschutz hatten Rechtsextremisten als V-Leute eingesetzt und bezahlt. Hier müssen wir die Ergebnisse noch abwarten.

Was die Recherchen der Bundesanwaltschaft auch immer ergeben. Die bisher zur Debatte stehenden Taten wurden stets aus jenen Kreisen begangen, die sich auf der nationalistischen Rechten missverstanden, gedemütigt, zurückgesetzt fühlten und fühlen. Sie sind fremdenfeindlich und zumeist antisemitisch und haben Minderwertigkeitsgefühle entwickelt, die sie durch extreme Taten zu kompensieren trachten. Sie wollen Taten statt Wort sprechen lassen. Sie stellen eine große Gefahr dar. Der norwegische Massenmörder (77 Tote) Lars Breivik entstammt offenbar einem ähnlich gelagerten Milieu.

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