Avi Primor analysiert Israels Diskussion über einen Präventivschlag gegen Irans Atommacht.

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland (1993-1999) Avi Primor analysiert in der SZ vom 9. November 2011 Israels Diskussion eines Präventivschlags gegen die iranische Atomindustrie. Ohne die von Iran ausgehende Gefahr zu unterschätzen, kann Primor einem militärischen Vorgehen nicht viel abgewinnen. Vor allem stört ihn der teilweise zur Schau gestellte Wille zum Alleingang, den Primor für verhängnisvoll hält. Grund für die in Israel gezeigte Einstellung zum Iran scheint der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu sein. Daraus geht hervor, dass Iran der Atomwaffenproduktion schon sehr nahe ist. Deswegen haben Präsident Obama (USA) und Präsident Sarkozy (Frankreich) Iran wiederum gedroht. Anderswo wird die iranische Bedrohung nicht so ernst genommen. Eine solche Perspektive kann Israel sich nicht erlauben. Dort steht „Sicherheit“ an erster Stelle. Und so haben sich Präsident Peres, Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Barack unmissverständlich geäußert. Eine große Koalition in Israel also.

Für Primor kann ein israelischer Angriff die iranischen Pläne allenfalls um zwei bis drei Jahre hinauszögern. Außerdem würde er die militärische Solidarisierung von Syrien, der Hisbollah im Südlibanon und von Hamas und Islamischem Dschihad im Gaza-Streifen nach sich ziehen. Primor nimmt an, dass Iran die arabischen Erdölanlagen angreifen will, um die Weltwirtschaft zu treffen. „Irans Nachbarn wissen, dass sie, sobald Iran zur Atommacht wird, keinen Schutz mehr von den westlichen Alliierten bekommen können, anders als Kuwait 1991.“ Dies ist der zentrale Punkt. Er bedeutet, dass die iranische Atomrüstung nicht nur ein israelisches Problem darstellt, sondern ein Weltproblem. Wir können nicht so tun, als ginge uns das nichts an. Das sieht auch Avi Primor so.

„Iran, das in Wirklichkeit gegen seine erdölproduzierenden Nachbarn vorgehen will, benutzt die Hasspropaganda gegen Israel als Mittel im Machtgkampf innerhalb der arabischen Welt.“ Nach Primors Meinung muss Israel dagegen einen glaubwürdigen Friedensprozess in Gang bringen, der Iran den Wind aus den Segeln nimmt. Als einzigen Weg dazu sieht er die Unterstützung der im Moment noch niedergehaltenen iranischen Opposition, die aber zahlenmäßig sehr stark ist. Außerdem müssten die Sanktionen gegen die gegenwärtige iranische Herrscherclique verstärkt werden. Klar ist, dass Iran nie auf seine Atompläne verzichten wird. Deswegen erscheint mir Primors Analyse treffend. Ich würde gerne an eine friedliche Lösung glauben, rechne aber nicht damit, dass Iran und die gegenwärtige israelische Regierung diesen Weg konsequent beschreiten. Israel scheint angesichts seiner „Sicherheits“-Obsession wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren.

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