Graham Greenes Verrat – anders als der von Wikileaks

In der SZ vom 4./5.12.2010 nimmt sich Hans Leyendecker, einer der führenden investigativen Journalisten Deutschlands, den Verrat von Wikileaks vor. Er stutzt ihn auf das richtige Maß zurück. Und er beschäftigt sich mit der Geschichte des Verrats im 20. Jahrhundert. Dort kennt er zwei eiserne Regeln:

1. Es wird alles unternommen, um die Informanten zu schützen.

2. Die hereinkommenden Informationen werden von Fachleuten gesichtet. So viel Zeit muss sein.

Die Bedeutung der Geheimdienste wird von Leyendecker nicht überschätzt. Kritikern wurde stets begegnet mit dem Satz „Sie haben unrecht, weil sie nicht wissen, was passiert ist, und wir können dazu nichts sagen, weil das geheim ist.“ Die übliche Geheimniskrämerei, um die eigene Tätigkeit aufzuwerten.  Leyendecker fügt hinzu: “ Heute werden Computer staatlicher Organisationen von Obergefreiten angezapft, und mit wenigen Klicks können echte und katzengoldene Geheimnisse der Mächtigen heruntergeladen werden.“

Die wohl bekannteste Verrätergruppe waren die „Cambridge Five“ mit Kim Philby an der Spitze. Sie verrieten Staatsgeheimnisse an die Sowjetunion. Ein Untergebener von Philby war der weltberühmte Romancier Graham Greene. Er hat so bekannte Romane geschrieben wie „Das Attentat“, „Schlachtfeld des Lebens“, „Ein Sohn Englands“, „Die Kraft und die Herrlichkeit“, „Das Herz aller Dinge“, „Das Ende einer Affäre“, „Zentrum des Schreckens“, „Der dritte Mann“, „Zwiespalt der Seele“, „Jagd im Nebel“, „Unser Mann in Havanna“, „Der Honorarkonsul“ und „Der menschliche Faktor“ (nicht „Der menschliche Makel“, der ist von Philipp Roth). Viele davon habe ich seinerzeit ziemlich verschlungen, ohne je den Sinn von Geheimdiensttätigkeit ganz zu begreifen, außer dass dort menschliche Macken anscheinend eine sehr große Rolle spielen.

Leyendecker schreibt nun dazu: „Es gibt ernsthafte Leute, die meinen, Greene habe seinen Chef früh durchschaut und nichts gegen ihn unternommen, denn auch er habe den Verrat geliebt. Noch mehr mochte Greene, der seinen Arbeitgeber ‚das beste Reisebüro der Welt‘ nannte, die vom Dienst bezahlten Vergnügungen in Bars und Edel-Bordellen.“ Wie auch immer, so sind dabei doch einige der angesehensten und bekanntesten Romane des 20. Jahrhunderts entstanden. Das ist allemal wichtiger als jede Geheimnisdiensttätigkeit und manche Geheimniskrämerei.

 Wird das nun durch Wikileaks anders?

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