Vielfach ist in letzter Zeit der Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Nachfolger Angela Merkels als Bundeskanzler ausgerufen worden. M.E. hauptsächlich von Leuten, die ihm übel wollen. Nun zieht das jemand in Betracht, der zu den besten Journalisten Deutschlands zählt, ohne mit mir sehr häufig übereinzustimmen: Heribert Prantl, der Innenpolitik-Chef der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ 2.11.10) (Kurt-Tucholsky-Preisträger etc.). In seinem Beitrag „Die goldenen Eier der CSU“ (im Anklang an ein deutsches Märchen) sieht Prantl den Weg des CSU ähnlich wie „Hans im Glücks“ Weg im Märchen. Dieser hatte seinen großen Klumpen Gold immer billiger getauscht, gegen ein Pferd, eine Kuh, ein Schwein, eine Gans, einen Stein. Am Ende aber war er befreit von dannen geschritten. Dagegen sei die CSU zutiefst unglücklich. Die Namen Franz Josef Strauß, Theo Waigel, Edmund Stoiber, Erwin Huber und Horst Seehofer markieren für Prantl einen Abstieg ohne bisheriges Happy End. Und dann begründet Prantl, dass für die CSU das Heil nicht von Guttenberg als Vorsitzendem kommen kann.
„Guttenberg nämlich kann alles Mögliche, vor allem eine gut Figur abgeben, vielleicht hat er auch das Zeug zu einem präsidiablem Kanzler, aber: den Vorsitz der Kleine-Leute-Partei CSU führen, das kann ein großadliger Multimillionär nicht, es sei denn, er wäre schon bisher (wie Guttenberg nicht) als ein mantelteilender sozialpolitischer Sankt Martin aufgefallen. Guttenberg als CSU-Chef: das wäre der Schlusspunkt der Hans-im-Glück-Geschichte und wohl das Ende der Volkspartei CSU.“
Prantl bringt dann noch CSU-Urgestein wie Josef Müller, Hermann Höcherl Alfons Goppel ins Spiel, um zu belegen, dass Guttenberg nicht als Vorsitzender passt. Als Kanzlerkandidaten nimmt er ihn relativ ernst: „Wenn Angela Merkel im nächsten Jahr scheitert, weil die Landtagswahlen zu einem Desaster für ihre Partei werden, dann könnte es sein, dass die CDU einen Not-Kanzler sucht und in Guttenberg findet, um mit ihm gut durch die Bundestagswahl zu kommen.“
In einem Leserbrief in der FAZ (3.11.10) setzt sich darüberhinaus Egon Bahr mit Guttenberg auseinander, speziell mit seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit, der in der FAZ (13.10.10) abgedruckt war. Bahr wirft Guttenberg nicht ganz zu Unrecht vor, Willy Brandt nicht genügend gewürdigt zu haben. Und er verweist auf Guttenbergs Großvater (ebenfalls ein Karl-Theodor), der einer der entscheidenen Außenpolitiker der Union war. Der habe mit Herbert Wehner ausgezeichnet zusammengearbeitet und in der großen Koalition (1966-69) sehr gut Ergebnisse erzielt. Da hat Egon Bahr zweifellos recht. Am Ende schreibt Bahr: „Gerade dem Verteidigungsminister hätte es gut angestanden, sich eine Maxime zu eigen zu machen, die sogar über der Freiheit, den Menschenrechten, der Selbstbestimmung und Europa rangiert: Friede ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. Er hätte Brandt dafür nicht einmal erwähnen müssen.“
Also: Guttenberg kann noch etwas lernen und vielleicht Kanzler werden, auch wenn er bisher gute Arbeit geleistet hat.