Gunnar Heinsohn verlangt eine geordnete Einwanderungspolitik und rechnet.

Der Bremer Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn (FAZ 24.6.) verlangt eine geordnete Einwanderungspolitik, die sich an den Tüchtigen orientiert. Er sieht Deutschland in der Konkurrenz zu den USA, Kanada und Australien. In der ihm eigenen unbeirrbaren Art legt er Zahlen vor und rechnet. Danach hat Deutschland bereits 2007 eine Billion Euro Sonderschulden für Migranten, die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können. „Auf jeden der 25 Millionen vollerwerbstätigen Nettosteuerzahler fallen allein für diese historische Aufgabe 40000 Euro Schulden.“ Bei den Geburten liegt Deutschland rund ein Drittel unter der Bestandserhaltung (1,4 statt 2,1 Kinder pro Frau). Die jungen Menschen mit Ausbildungsreife ständen vor gewaltigen Aufgaben. „Sie müssen nicht nur die Alten und Minderjährigen versorgen, sondern jeweils zu dritt auch noch für einen Gleichaltrigen ohne Ausbildungsreife nebst Nachwuchs bezahlen.“ Nach den Messungen der Bundesregierung ist 2009 ein Viertel der Fünfzehnjährigen nicht ausbildungsreif.

Nach Heinsohn kennt die Welt fünf Ränge der Sozialpolitik:

1. Unten stehen 160 Nationen ohne Hilfe für soziale Notlagen. China und Indien gehören dazu.

2. Darüber rangieren die USA. Viele wichen hier im Notfall auf Ersparnisse, Verwandte oder schlecht bezahlte Arbeit aus.

3. Rund ein Dutzend Staaten kennten lebenslängliche Sozialhilfe. Die falle dort aber sehr knapp aus wie in Italien und Großbritannien.

4. Ein weiteres Dutzend zahle lebenslänglich relativ großzügig wie Norwegen, Finnland und die Schweiz.

5. An der Spitze liege Deutschland. Hier gäbe es für Frauen auf Sozialhilfe in Form von Elterngeld Sonderprämien, „wenn sie ihre risikoreiche und pädagogisch ungünstige Existenz auf weitere Neugeborene ausdehnen“. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die Sozialhilfe bezögen, sei von 150000 im Jahr 1965 auf zwei Millionen 2010 gestiegen.

Heinsohn führt vor, dass Deutschland jährlich 160000 Auswanderer verlassen. Diese Auswanderer nehmen 80000 Hartz IV-Müttern mit jeweils zwei Kindern den Versorger. Eine solche Mutter koste bis zum fünfzigsten Lebensjahr 415000 Euro, also die Steuern von zwei Vollerwerbstätigen. Heinsohn unterstreicht, dass, wer jährlich 160000 Einwanderer gewinnen wolle, diese nicht mit 80000 Hartz IV-Familien belasten dürfe. „Solange also potentielle Einwanderungstalente sehen, dass mehr als die Hälfte ihres Einkommens weggesteuert und -sozialversichert wird, werden sie nicht in Dortmund siedeln, sondern nach Melbourne, Seattle oder Toronto streben, wo man sie ebenfalls dringend benötigt, ihnen aber nur 20 bis 25 Prozent abnimmt.“

Erfolgreiche Einwanderungspolitik bedeute die aktive Gestaltung dieser Konkurrenz. „Sie ist scharf antirassistisch, achtet aber streng auf Qualifikationen. Alle Hautfarben, alle Religionen und Sprachen sind willkommen. … Zuwanderer werden also nicht anders gesehen als der eigene Nachwuchs.“ Australien, Kanda und die USA verlangten von ihren Einwanderern relativ hohe Qualifikationen. In Amerika solle jeder Ausländer, der ein Studium abschließt, automatisch eine Greencard erhalten. Heinsohn unterscheidet verschiedene Gruppen von potentiellen Einwanderern. „In den Vereinigten Staaten stellen Ostasiaten bei fünf Prozent Bevölkerungsanteil dreißig Prozent der Computerspezialisten, während sie so gut wie nie Sozialhilfe beantragen.“ Deutschland müsse potentiellen Einwanderern etwas bieten. Die alte Parole von Jürgen Rüttgers „Kinder statt Inder“ sei eben grundsätzlich falsch. Sie verängstige Asiaten, bringe aber nicht mehr Kinder bei hochbefähigten Frauen. „Unterhalb eines Studienplatzes und eines deutschen Passes spätestens zum natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Examen braucht man gar nicht anzutreten.“

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