Wettbetrug läuft. René Schnitzler (FC St. Pauli): 70 bis 80 Prozent der Fußballspieler zocken.

In der FAZ vom 29.1.2011 untersucht Christoph Becker den Wettbetrug. Er stützt sich auf Erkenntnisse aus dem Bochumer Wettbetrugs-Prozess. Im März werden die Urteile gegen die geständigen Nürettin G. und Tuna A. erwartet. Und am 24.Februar beginnt der Prozess gegen Ante Sapina, Marijo Cvrtak und vier weitere Zocker. Diese Angeklagten haben es schon zu einiger Berühmtheit gebracht.

Ante Sapina hat inzwischen von seinen Anfängen berichtet: „Ich habe nachgeschaut, ob Kobe Bryant bei den Los Angeles Lakers verletzt ist. Konnte er nicht spielen, habe ich gegen die Lakers gesetzt und gewonnen, weil die Wettbüros ihre Quoten nicht angepasst haben. Damals habe ich sehr oft gewonnen, es war auf die Dauer nicht allzu schwer, im Vorteil zu sein.“

2004 kam der Fall Hoyzer. Der Betrug flog auf. Sapina musste nicht ins Gefängnis, war im offenen Vollzug. Es fiel ihm anscheinend leicht, 1,8 Millionen Schadensersatz an die deutsche Klassenlotterie zu zahlen. Nun meldeten sich nicht nur die Zocker bei ihm, sondern auch die Wettanbieter. Sapina bekam Kontakt zu Buchmachern in London. Er will sie drei- bis viermal getroffen haben. „Mir wurde gesagt, wenn ich offenlege, wo manipuliert wird, könne ich größere Summen setzen.“

Das System funktioniert. Und es funktioniert im Vergleich mit anderen Sparten der organisierten Kriminalität ziemlich gewaltlos. „Gewalt spielt nach unseren Erkenntnissen so gut wie keine Rolle“, sagen die Bochumer Ermittler. Dutzendfach gibt es in deutschen Großstädten Wettbüros, dazu kommen illegale Casinos in ganz Deutschland. Außerdem zocken nach den Aussagen des geständigen ehemaligen St. Pauli-Spielers René Schnitzler 70 bis 80 Prozent der Fußballspieler in Deutschland.

„Besser als Geld ist mehr Geld. Und wer alles verspielt hat, muss sehen, wie die Schulden ausgeglichen werden. Die Wettpaten sind da kulant, denn das nächste Punkt- oder Pokalspiel kommt bstimmt. Und doch bleiben etliche der inkriminierten Fußballspieler , von der Oberliga bis zum Profifußball standhaft bei ihrer Version, zwar Geld angenommen, aber nie Spiele verschoben zu haben. Kaum zu glauben.“

In der Schweiz und in der Türkei gibt es inzwischen Ermittlungsverfahren. Durch Interviews bekannt wurde der Niederländer Paul Rooij. Der Malaie William Bee Wah Lim wurde 2007 in Frankfurt zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Später auf freien Fuß gesetzt. Er ist untergetaucht. Zudem gelten die Fußball-Ligen in Griechenland und der Türkei als stark manipuliert. Und es sei grotesk anzunehmen, dass eine Liga wie in Italien frei sei von Manipulationen, heißt es aus Kreisen von Ermittlern. „Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.“

Beim Champions-League-Spiel zwischen Debrecen und Florenz im Oktober 2009, für dessen Manipulation der montenegrinische Keeper des ungarischen Meisters 100.000 Euro erhalten haben soll, kamen Cvrtak und Sapina nach Erkenntnissen der Ermittler zu spät. Eine andere Bande hatte schon gezahlt.

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