507: DFB und DGB beklagen Tote auf WM-Baustellen in Katar.

Katar richtet die Fußballweltmeisterschaft 2022 aus. Die Vergabe dorthin steht unter Korruptionsverdacht. Auf den WM-Baustellen sind dort alleine von Juni bis August 2013 vierundvierzig (44) Gastarbeiter ums Leben gekommen. Detlef Esslinger hat dazu den DGB-Borsitzenden Michael Sommer interviewt (SZ 31.10./1.11.13).

SZ: Sie sind auch Chef des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB). Die Organisation hat vor vier Wochen auf die WM-Baustellen in Katar aufmerksam gemacht, wo allein von Juni bis August 44 Gastarbeiter ums Leben kamen. Hat sich die Lage inzwischen gebessert?

Sommer: Es wird weiterhin gequält und gestorben. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und ich haben nun verabredet, dass jeder seine Leute mobilisiert: Er schreibt die 25 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees an, ich wende mich an die Vorsitzenden der Gewerkschaftsbünde in den Ländern, aus denen diese Mitglieder kommen. Eben, bevor Sie kamen, habe ich einen Brief an meinen chinesischen Amtskollegen unterschrieben, damit der an den Präsidenten seines Fußballverbands herantritt, der im Exekutivkomitee ist. Herr Niersbach und ich haben uns maximal sechs Wochen gegeben. Dann sichten wir die Ergebnisse unserer Aktion und gehen auf die Fifa los.

SZ: Was heißt denn das?

Sommer: Die Fifa soll auf die Kataris einwirken, dass sie entweder die Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) garantieren, also unter anderem Diskriminierung und Zwangsarbeit beseitigen sowie Gewerkschaften zulassen. Oder ihnen wird die WM weggenommen.

SZ: Haben Sie mal mit Fifa-Chef Joseph Blatter gesprochen?

Sommer: Ich bin noch nicht an ihn rangekommen. Deshalb ja der Weg über Niersbach. Wir müssen Mehrheiten finden, um Druck auf die Fifa auszuüben.

SZ: Blatter sind Arbeitsbedingungen in Katar wurscht.

Sommer: Das glaube ich auch. Niersbach jedoch nicht. Fußball ist ein Volkssport, und der Sport hat gesellschaftliche Verantwortung. Ich weiß nicht, wie weit wir kommen werden. Aber wir Gewerkschafter haben einen langen Arm.

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