496: Erstmals Rente für DDR-Doping-Opfer

Das Sozialgericht Berlin hat der ehemaligen DDR-Kanutin Kerstin Spiegelberg, 45, eine Opferrente zugesprochen, weil sie ohne ihr Wissen gedopt worden war und dadurch Brustkrebs bekommen hatte (Aktenzeichen S 181 VG 167/07). Die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfsvereins Ines Geipel, eine ehemalige DDR-Weltklasse-Sprinterin und Weltrekord-Halterin, kommentierte die Entscheidung mit den Worten: „Dies ist ein historisches Urteil.“ (Michael Reinsch, FAS 29.9.13)

In einer Pressemitteilung des Gerichts heißt es. “ Die Verabreichung von Doping-Mitteln durch den Trainer einer DDR-Kinder- und -Jugendsportschule an eine damals 16 Jahre alte Kanuleistungssportlerin stellt einen vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriff dar.“ Und: „Es ist – jedenfalls im konkreten Einzelfall – davon auszugehen, dass die Sportlerin über die wahre Bedeutung der ihr verabreichten Mittel bewusst im Unklaren gelassen wurde. Insofern lag auch keine Einwilligung in das Doping vor. Wegen der aus dem Doping-Gebrauch resultierenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen ist der Sportlerin eine Rente nach dem

Opferentschädigungsgesetz

zu gewähren.“

Kerstin Spiegelberg wurde 1990 von dem Ehepaar Brigitte Berendonk und Werner Franke auf ihre Doping-Vorgeschichte aufmerksam gemacht, die in Akten aus der DDR enthalten war. Bis dahin war sie ahnungslos gewesen. Professor Dr. Werner Franke (Krebsforschungszentrum Heidelberg) wies in einem wissenschaftlichen Gutachten den Zusammenhang zwischen Doping und Brustkrebs nach. Offensichtlich folgte ihm das Gericht letztlich.

Insgesamt klagen rund vierzig (40) ehemalige DDR-Leistungssportler auf eine Opferrente, zehn (10) allein in Berlin. 2010 haben 167 Doping-Opfer Schmerzensgeld erhalten. Nach Ines Geipel ist die Zahl der Opfer aber viel höher. Sie rechnet mit vier- bis fünfhundert (400-500).

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