Im Zuge der erstmaligen Reiseerleichterungen für Kubaner seit der kommunistischen Revolution von 1959 ist die bekannteste kubanische Bloggerin Yoani Sanchez nach Brasilien ausgereist (SZ 19.2.13). In ihrem Land ist die Bloggerin wegen der fehlenden Medienfreiheiten kaum bekannt. Dafür im Ausland um so mehr. Das Nachrichtenmagazin „Time“ ernannte sie zu einer der 100 einflussreichsten Personen. Ihr Buch „Cuba Libre“ erschien in vielen Ländern. Die spanische Tageszeitung „El Pais“ machte Sanchez zu ihrer Auslandskorrespondentin, als ihr Korrespondent kein Arbeitsvisum mehr bekommen hatte. Die Blogs von Sanchez werden in 20 Sprachen übersetzt.
Sanchez‘ Gegner fragen sich, wie sie aus Kuba trotz der ganzen Beschränkungen berichten kann. Sie werfen ihr vor, Geld aus den USA zu bekommen. Für sehr viele andere gilt die Journalistin als „schreibendes Symbol des Widerstands“. Anscheinend meint es das Regime von Raul Castro mit der Reisefreiheit ernst. Sanchez will drei Monate lang zwölf Länder in Nordamerika und Europa besuchen und dann nach Kuba zurückkehren. Sie hatte von 2002 bis 2004 in der Schweiz gelebt.
Vielleicht dient die neue kubanische Politik der Reisefreiheit dazu, Vorbehalte gegenüber dem Land abzubauen. Die Menschen auf Kuba leiden unter den fehlenden Menschenrechten, der sozialistischen Misswirtschaft, aber auch unter dem Embargo, das die USA über das Land verhängt haben.