Der Kanadier Declan Hill hat schon 2008 in seiner Dissertation an der Universität Oxford die Rolle des organisierten Verbrechens bei Spielmanipulationen beschrieben. Zwei Jahre später veröffentlichte er seine Taschenbuch „The Fix“ (deutsch: „Sichere Siege“). Es geht darin um Geldwäsche und Betrug bei einzelnen Spielen (Danyel Reiche in der „Aussenansicht“ der SZ vom 8.2.13). „Deshalb erstaunt es, dass es bis Anfang dieser Woche gedauert hat, bis die europäische Polizeibehörde Europol ihre eigenen Ermittlungsergebnisse vorlegte, die bestätigen, was bekannt ist.“
Einmal geht es um Geldwäsche. Geld aus illegalen Geschäften kann dort, wo Sportwetten legal sind, in die Legalität überführt werden. „Ein Beispiel: Der weltweit führende Online-Sportwetten-Anbieter Bwin bot für das
Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland am Mittwochabend
in Paris für einen Sieg der Franzosen eine Quote von 2,75, bei einem Unentschieden von 3,25 und bei einem deutschen Sieg von 2,50. Dies bedeutet, wer Geldwäsche für 30.000 Euro betreiben will, setzt jeweils 10.000 Euro auf jedes der drei Resultate. Er hat am Ende im ungünstigsten Fall (Unentschieden) 25.000 Euro in die Legalität überführt. Nach dem 2:1-Sieg der Deutschen hätte er sogar noch einen kleinen Gewinn gemacht und 32.500 Euro kassiert.“
Dass sich das organisierte Verbrechen zunehmend Sportwetten zuwendet, in Form von Geldwäsche oder direkter Spielmanipulation, hat vor allem damit zu tun, dass dies ein viel weniger riskanter Geschäftszweig ist als zum Beispiel Menschen-, Drogen- oder Waffenhandel. Spielmanipulation ist in den meisten Staaten kein Straftatbestand. „Das Problem ist, dass der Großteil des Geldes, das auf europäische Fußballspiele gewettet wird, inzwischen außerhalb Europas gesetzt wird, vor allem in Südost-Asien. Deshalb sind auch die Frühwarnsysteme in Deutschland und Europa, die auffällige Bewegungen bei den Einsätzen bei bekannten Wettanbietern nachverfolgen, nicht so effektiv wie erhofft.“
Der Autor des Beitrags, Danyel Reiche, ist Professor für vergleichende Politikwissenschaft an der American University of Beirut (Libanon). Er glaubt, dass die Spielmanipulationen die südost-asiatischen Ligen schon zerstört haben. Deswegen setze die organisierte Kriminalität vermehrt auf Europas Ligen, die ein saubereres Image hätten. Reiche sieht sogar die Tatsache, dass
Didier Drogba und Nicolas Anelka
die chinesische Liga so schnell wieder verlassen haben, in diesem Zusammenhang. „Es liegt nun an den europäischen Sportverbänden und Regierungen, mithilfe des Strafrechts, einer Null-Toleranz-Politik für überführte Täter (wie lebenslange Sperren) und Aufklärungskampagnen die letzte Bastion ehrlicher Spiele im Weltfußball zu verteidigen.“