Nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie noch nicht so viel über Doping wussten, teilten sich die italienischen Radsportfans auf in die „Coppisti“ und die „Bartalisti“, die Anhänger Fausto Coppis und Gino Bartalis (taz 22.23.12.2012). Fausto Coppi spielte dabei die Rolle des mondänen Helden, Gino Bartali war ein Mann des Volkes. Mittlerweile hat Paolo Conte über ihn gesungen und Curzio Malaparte über ihn geschrieben. Bartali hatte die Tour de France 1938 gewonnen und 1948. Zehn Jahre seiner großen Karriere waren ihm durch den Zweiten Weltkrieg gestohlen worden. Sein Comeback nach 1945 war bisher unvorstellbar gewesen.
Nun stellt sich heraus, dass Bartali nicht nur ein sehr großer Rennfahrer war, sondern auch ein moralisch sehr integrer Mensch. Gino Bartali gehörte einem antifaschistischen Netzwerk an und hat als Kurier dazu beigetragen, in Italien gefälschte Papiere für gefährdete Juden zu transportieren. Mit seinem Fahrrad. Bei ihm fielen die langen Touren nicht auf, sie galten als Training. Dabei absolvierte Bartali an einem Tag teilweise Strecken wie Florenz-Assisi.
Von Bartali gerettet Juden, die heute in Israel leben und nicht mehr ganz jung sind, möchten, dass Bartali als „Gerechter unter den Völkern“ im Ehrenhain von Yad Vashem geehrt wird. Das Verfahren dazu „hakt“ noch, verständlicherweise gibt es immer eine genaue Prüfung. Bartali aber, 2000 in Florenz gestorben, ist in dem allgemeinen Korruptionssumpf des internationalen Radsports eine Leuchte, ein strahlender Held, dessen Andenken wir pflegen sollten.