312: DOSB will kein Anti-Doping-Gesetz.

Auf der Mitgliederversammlung des DOSB hat der DLV ein Anti-Doping-Gesetz mit unbeschränkter Besitzstrafbarkeit und Kronzeugenregelung beantragt (Thomas Hahn, SZ 10.12.12). Seine Justiziarin Katja Mühlbauer hat den Antrag juristisch begründet. Sie war bis November 2011 zweieinhalb Jahre bei der Münchener Schwerpunkt-Staatsamnwaltschaft für Doping und kann insofern als hochqualifizierte Sachverständige gelten. Ihr kurzer Vortrag war sachlich und klar. Sie führte aus, dass die aktuelle Gesetzgebung den Anfangsverdacht nicht zulässt, auf den hin eine Staatsanwaltschaft den Betrügern nachspüren könnte. Mit Werkzeugen, die der Sport nicht hat, mit Telefonüberwachungen, Hausdurchsuchungen etc.

Nicht nur aus dem Fall Armstrong wissen wir, dass der Anti-Doping-Kampf nur auf gesetzlicher Grundlage effizient geführt werden kann. Das zeigen auch Erfahrungen etwa aus Italien und Frankreich. Die Frage für den DOSB war also: Wollen wir den Status quo erhalten oder aus den Erfahrungen lernen und verbessern, was zu verbessern ist? Die Mitgliederversammlung hat die Frage eindeutig beantwortet. Nur 25 der 459 Delegierten stimmten bei acht (8) Enthaltungen für den DLV-Antrag. Das ist vernichtend.

Der Antrag des DOSB selbst, der anschließend ohne Gegenstimme durchging, basierte auf dem Gutachten des Erlanger Rechtsprofessors Matthias Jahn, das die Bundesregierung in Auftrag gegeben hatte. Jahn fordert „die Einführung zusätzlicher Tathandlungen in das Arzneimittelgesetz, um auch den Erwerb und das Verbringen von sowie den Handel mit Dopingmitteln sachgerecht zu verfolgen“ und „die Erhöhung der Höchststrafe für Dopingvergehen im Arzneimittelgesetz von drei auf fünf Jahre“. Thomas Hahn schreibt dazu: „Der DOSB will, dass der Staat erst Verdacht schöpft, wenn ein Athlet mehr Doping-Arznei mit sich führt, als ein Patient aus medizinischen Gründen in einem ganzen Monat braucht.“

Wahrscheinlich handelt der DOSB so, wie es sich die weitaus meisten Sportfreunde wünschen. Sie wollen es gar nicht so genau wissen und sind überhaupt der Meinung, dass Doping fast nur in Deutschland so systematisch verfolgt wird.

Liebe Sportfreunde, das enttäuscht mich. Ihr seid tatsächlich die Sympathisanten und Unterstützer der Jan Ulrich, Bjarne Riis, Alberto Contador und anderer Betrüger.

Es versteht sich, dass die DOSB-Mitgliederversammlung den DLV-Antrag abgeschmettert hat, der deutschen Anti-Doping-Agentur Nada mit 500 000 Euro für 2013 aus der finanziellen Patsche zu helfen.

Die meisten deutschen Sportfreunde wollen gar keinen Anti-Doping-Kampf! Gute Nacht sauberer Sport!

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