Sehr überzeugend schreibt Ralf Wiegand (SZ 11.11.15) über den Zustand des Sports in der Welt.
„Die Dimension der Krise des Sports wird derzeit nicht am Zustand des Weltfußballverbands Fifa deutlich, an dem sich das FBI abarbeitet. Auch nicht an der deutschen Affäre um 6,7 Millionen Euro und der Frage, wer sie wie wann wohin transferiert hat und wofür. Nein, die große Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise des Sports scheint auf in den Vorgängen um den Leichtathletik-Weltverband und das russische Doping-System, das die Welt-Anti-Doping-Agentur gerade beschrieben hat. Dieser Skandal ergießt sich wie ein zäher Brei aus Korruption, Staatsdoping, Erpressung und Kontrollversagen in den Sport.“
„Sport ist .. nicht banal. Es gibt Werte, die etwas wert sind. Teamgeist, Respekt, Regelakzeptanz, Verantwortung, Fair Play. Und fürs Publikum: Spaß, Spannung, Ablenkung, Tradition, Identifikation – gerade in aufgewühlten Zeiten.“
Akzeptiere die Leichtathletik das Ausmaß des Skandals nicht und bemühe sich nicht ernsthaft um Besserung, „muss sich etwa eine Stadt wie
Hamburg
fragen, ob sie wirklich Olympische Spiele veranstalten will, deren Kernsport die Leichtathletik ist“.
Für Joachim Mölter ist der gegenwärtige IAAF-Präsident Sebastian Coe, zweimaliger Olympiasieger über 1500 m und Mitglied des Oberhauses, nicht geeignet, die erforderlichen Reformen durchzuführen. „Sebastian Coe ist nicht qualifiziert für die Aufgabe, die olympische Kernsportart Nummer eins aus dem Sumpf zu ziehen, in dem sie gerade zu versinken droht.“ (SZ 11.11.15)
Coe hatte in der Krise gesagt, sein Vorgänger Lamine Diack werde sein „geistiger Präsident“ bleiben (Johannes Knuth, SZ 9.11.15).