Die Tierschutz-Organisation Peta hat die Besitzergemeinschaft Paul Schockemöhle und Ann-Kathrin LInsenhoff, denen das Weltklasse-Dressurpferd Totilas gehört, und dessen Reiter Matthias Rath der Tierquälerei (bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main) angezeigt (Gabriele Pochhamer, SZ 25.10.12). Anlass waren Aussagen Raths und Bilder im Fernsehen im Juli 2012. Die Anzeige wirft die umstrittene Trainingsmethode der „Rollkur“ vor, eine Unterwerfungsstrategie, bei der dem Pferd die Nase extrem Richtung Brust gezogen wird.
Außerdem werde der zwölfjährige Hengst nicht artgerecht gehalten. Ihm werde Kontakt zu Artgenossen verwehrt und eine „freie selbstgesteuerte Bewegung“. Diese verlangen die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz herausgegeben und von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erarbeitet worden sind.
Totilas ist ein gefragter Zuchthengst, der allerdings nicht mehr die Erfolge feierte, die er unter seinem niederländischen Reiter Edward Gal errungen hatte. Der Olympiastart musste abgesagt werden, weil Matthias Rath an Pfeiferschem Drüsenfieber erkrankt war. Die britischen Olympiasieger Charlotte Dujardin und Carl Hester setzen anscheinend bei ihren Pferden Valegro und Uthopia die „Rollkur“ nicht ein. Das war noch anders bei der dreifachen niederländischen Olympiasiegerin Anky van Grunsven. Deren Ehemann Sjef Janssen hatte die „Rollkur“ zur Doktrin erhoben. Er trainiert seit Oktober auch Totilas.
Erlaubt ist eine unnatürliche Haltung wie die „Rollkur“ der Internationalen Reiterlichen Vereinigung nach, wenn sie nicht länger dauert als zehn (10) Minuten. Die Frage ist dann, wie lang die Pausen davon sind. Peta geht noch weiter: „Wir sehen es als kritisch an, wenn das Pferd als Sportgerät benutzt wird.“