Waldemar Hartmann (Waldi) verlässt die ARD. Sein „Waldis Club“ lief von 2006 bis 2012. In Turin 2006 und Peking 2008 gab es 20 mal „Waldi & Harry“ mit Harald Schmidt. Auch Hartmanns Vertrag als Box-Moderator läuft Ende des Jahres aus. Aus diesem Anlass hat Peter Unfried den Sportjournalisten interviewt (taz 8./9.9.12).
Waldi: So wie ich privat am Stammtisch sitze, so sitze ich auch im Fernsehen in „Waldis Club“.
Unfried: In Ihnen steckt doch sicher ein sensibler Feingeist Waldemar.
Waldi: … Deshalb halte ich mich an den Rat von Harald Schmidt: Du kriegst die Klischees eh nicht aus der Welt, also bediene sie. … Ich könnte ja so tun, als ob ich privat Chopin höre und eine Schmetterlingssammlung pflege, aber das tue ich nicht. Ich verstelle mich nicht, aber ich werde eben auch völlig überzeichnet dargestellt.
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Unfried: Man hat Sie auch schon als „Kumpelqualle“ und „Duzdudelsack“ beschimpft. Was erregt uns Qualitätsjournalisten so, dass wir derart unsere Kinderstube verlieren?
Waldi: Ich weiß es nicht, da fragen Sie den Falschen. Es ist jedenfalls die gleiche Klientel, die aufschreit, wenn Robert Enke sich vor einen Zug wirft, wie unmenschlich alles sei und dass wir innehalten müssten und anders miteinander umgehen. Und im selben Atemzug haut sie selbst drauf. Und bedenkt nicht, dass auch ich eine Familie habe und Menschen, die mir nahestehen.
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Unfried: Die FAZ sagt, Sie seien nahe am Herrenwitz, und die kennt sich damit sicher aus.
Waldi: Weisen Sie mir einen Herrenwitz nach. Ich erzähle überhaupt keine Witze in meinen Sendungen.
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Unfried: Würden Sie sagen, das ARD-Duo mit Moderator Beckmann und Exprofi Mehmet Scholl ist journalistisch-kritische Analyse und „Waldis Club“ dann Unterhaltung?
Waldi: Ich würde den Scholli auch in die Kategorie Unterhaltung stecken. Weil er amüsant ist und eine ganz eigene Farbe in das Programm bringt.
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Unfried: Einerseits nimmt die Unterhaltungsfunktion zu, andererseits gibt es eine Verfachlichung des Sprechens über Fußball – ist Letzteres ein Fortschritt?
Waldi: Nein, es ist eine Pseudoverwissenschaftlichung. Diese Rhetorik wurde offenbar an der Sporthochschule in Köln erfunden. Raumorientiertes gegen-den-Ball-Spielen und vertikal in die Schnittstelle: Diese Verwissenschaftlichung der Fußballlehrersprache hat für meinen Geschmack etwas Oberlehrerhaftes. So möchte ich nicht über Fußball sprechen.
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Unfried: Die Frage ist: Gehört das zum Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen – den Stammtisch zu reproduzieren?
Waldi: Als was würden Sie denn den „Presseclub“ in der ARD bezeichnen? Auch taz-Redakteure scheinen sich an diesem Stammtisch wohlzufühlen.