219: David Millar will weiterhin „Ex-Doper“ genannt werden.

David Millar startet bei Olympia in London. Im Radrennen. Bei der Tour de France 2012 hat er immerhin eine Etappe gewonnen. Von 2004 bis 2006 war er wegen Dopings gesperrt. Er profitiert vom Urteil des Internationalen Sportgerichtshof Cas von 2011, wonach wegen Dopings mehr als sechs Monate gesperrte Spitzensportler doch wieder bei Olympischen Spielen starten dürfen. Wie z.B. der 400 m-Olympiasieger von Peking, der US-Amerikaner LaShawn Merritt, der im April 2010 positiv auf Doping getestet wurde.

David Millar ist Mitglied des britischen Olympiamannschaft. Das ist nicht unumstritten. Bahnrad-Olympiasieger Chris Hoy und Ruderer Steve Redgrave haben sich gegen Millars Aufnahme in die Mannschaft ausgesprochen. Dazu Millar: „Ich verstehe ihre Position,und das sind Musterbesispiele der Tugend, zwei weiße Reiter. Aber man braucht auch solche Leute wie mich. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß.“

Millar versucht, sich in seinem gerade erschienenen Buch „Racing Through The Dark“ („Vollblutrennfahrer. Meine zwei Leben als Radprofi. Bielefeld: Covadonga 2012, 407 Seiten, 16,80 Euro) das Image eines geständigen, reuigen und geläuterten Sünders aufzubauen. Sein Motto: „Die Zukunft des Radsports ist rosig, aber wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen.“

In seinem Buch spricht david Millar davon, wie er als 1977 geborenes Radsport-Wunderkind bei der Firma Cofidis zum Doping gebracht wurde. Doping sei praktisch eine Verpflichtung für jeden Profi gewesen. „Alle hatten ihren kleinen Medikamentenkoffer mit ihren Spritzen und Ampullen dabei. Sich selbst eine Spritze zu setzen, war das Normalste der Welt.“ Millar berichtet von der Zeit des flächendeckenden Dopings mit EPO. Das sei jenes Mittel, erklärte ihm sein Kollege Bobby Julich, „das einen Esel in ein Rennpferd verwandelt“. Millar informiert auch über Amphetamine, Testosteron, Schlafmittel und Kokain.

Millar hat die einschlägig bekannten Ärzte Michele Ferrari und Luigi Ceccini getroffen. Der Festina-Skandal bei der Tour de France 1998 habe keine Verbesserung gebracht. Im Gegenteil, nun galten alle Radrennfahrer als Doper. „Je mehr ich dopte, desto mehr hasste ich den Radsport.“ Millar häuft Schulden auf und wird alkoholabhängig. Aber nach einem dreijährigen Gerichtsverfahren wird er 2007 freigesprochen. Er versucht einen Neuanfang. „Ich bin Radprofi. Olympiasieger. Ein Star der Tour de France. Ein Weltmeister – und ein Doping-Betrüger. Und ich will noch einmal von vorne beginnen.“ Dies scheint geglückt zu sein; denn bei der Tour de France 2012 gewinnt David Millar eine Etappe.

Wie in diesem Blog schon besprochen hat der Schotte Millar die zu geringen Dopingkontrollen bei den Olympischen Spielen in London kritisiert. Substanzen wie EPO oder Wachstumshormone nehme man in der Vorbereitung, „nicht während der Spiele oder kurz davor“. „Es wäre ein sehr dummer Athlet, der während Olympia dopt.“ David Millar gehört inzwischen zur Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

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