218: Hockey kennt seit 2008 einen anerkannten und geschätzten Videobeweis.

Bei der Fußballeuropameisterschaft hat es wieder einige Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern bei der Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung von Toren gegeben. Dabei gäbe es eine durchgreifende Abhilfe, die den Spielfluss nicht stört, den Video-Beweis (Video-Umpire), wie er im internationalen Hockey 2008 mit Erfolg eingeführt worden ist.

Jede Mannschaft hat im Hockey die Möglichkeit, einmal einen Video-Beweis zu fordern. Voraussetzung ist, dass es sich in dem Moment um eine eventuell spielentscheidende Situation handelt. War der Ball vor oder hinter der Torlinie? Gab es einen Regelverstoß vor der Situation, die zum Tor führte? War es wirklich ein Siebenmeter? Jeder Spieler auf dem Platz ist berechtigt, mit einem Zeichen , einem angedeuteten quadratischen Fenster, den Video-Beweis zu fordern. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel und nimmt über Funk Kontakt zum Video-Schiedsrichter auf, der in der Regie des übertragenden Fernsehsenders sitzt. Nun muss eine klare Frage formuliert werden. „War der Ball hinter der Linie?“ Der Kollege sieht sich binnen kurzem alle möglichen Zeitlupeneinstellungen an.

Der Video-Schiedsrichter hat drei Möglichkeiten. Zeigen die Bilder, dass der Spieler Recht hat, teilt er das dem Kollegen auf dem Feld mit. War der Ball nicht hinter der Linie, zählt das Tor nicht, und die Mannschaft, die einen erfolgreichen Einspruch eingelegt hat, behält einen Video-Joker. Kann der Schiedsrichter auf den Fernseh-Bildern nicht erkennen, ob der Ball die Linie überquert hat, muss der Unparteiische auf dem Rasen entscheiden. Meist bleibt die vorher getroffene Entscheidung bestehen, die Mannschaft verliert aber ihren Video-Joker nicht. Erweist sich der Einspruch als falsch, bleibt das ursprüngliche Schiedsrichter-Urteil bestehen, der Video-Beweis ist für die Mannschaft und den Rest des Spiels verwirkt.

Im Hockey findet diese Regelung einhellige Zustimmung. Eine Spielunterbrechung dauert in der Regel nicht länger als 15 Sekunden. So lange wird im Fußball ohnehin bei strittigen Entscheidungen mit dem Schiedsrichter diskutiert. Schon heute ist die Situation eines Video-Beweises einer der packendsten Momente im Spiel. In diesen Sekunden herrscht Spannung und Stimmung, und am Ende steht eine Entscheidung, die alle akzeptieren, weil sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geprüft wurde. Auch beim Tennis sind die Challenges (drei pro Satz und Spieler) mittlerweile große Inszenierungen. Beim American Football wirft der Trainer ein rotes Fähnchen auf das Feld, um ein Challenge zu verlangen.

Ein Gegenargument in der Diskussion lautet, dass man die Technik einer Torkamera oder eines Ballchips nicht in allen Ligen einführen kann, vor allen Dingen in den unteren nicht. Hockeyspieler erleben seit Jahren unterschiedliche Voraussetzungen auf verschiedenen Spielniveaus. In Bundesligaspielen gibt es keinen Beweis, bei Olympia schon. Dazu meint der deutsche Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste: „Das weiß man vorher und kann sich damit arrangieren.“ Und der deutsche Schiedsrichter-Obmann Peter van Reth sagt: „Die Hockey-Schiedsrichter sind alle heilfroh, dass es den Video-Beweis gibt.“

Das sagt wohl alles Erforderliche. Aber vielleicht dauert es im Fußball noch länger mit der Einführung des Video-Beweises. Das können alle diejenigen verstehen, die Thomas Kistners gerade erschienenes Buch „Fifa-Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball.“ gelesen haben.

Dann viel Genuss beim Lesen.

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