209: 15-seitige Anklageschrift der USADA gegen Lance Armstrong

Die US-amerikanische Anti-Doping-Behörde USADA hat Lance Armstrong eine 15-seitige Anklageschrift zugestellt. Darin werden auch der sportliche Leiter Bruyneel und die Ärzte Dr. Celaya, Dr. del Moral und Dr. Ferrari beschuldigt. Damit ist Armstrong offiziell des Dopings angeklagt und erstmals in seiner Karriere für alle Wettkämpfe gesperrt. Bis vor kurzem war der 40-jährige US-Amerikaner, der sieben Mal die Tour de France gewonnen hatte, im Triathlon tätig und trainierte in der Nähe seines Hauses in Südfrankreich.

1993 hatte der damals 21-jährige Athlet die Straßen-Radweltmeisterschaft in Oslo gewonnen. Danach musste er einen Hodenkrebs überstehen, der durch zwei Operationen und Chemotherapie geheilt wurde. 2004 wurde Michele Ferrari, der Arzt, mit dem Armstrong zusammenarbeitete, wegen Sportbetrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. 2005 tauchten sechs Dopingproben von Armstrong aus dem Jahr 1999, dem Jahr seines ersten Toursieges auf, in denen Doping nachgewiesen werden konnte. Einen nochmaligen Test lehnt Armstrong ab. 2010 beschuldigt Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis Armstrong des Dopings. Landis hat lebenslängliches Doping gestanden. Im gleichen Jahr räumt der Radsport-Weltverband UCI ein, 2002 und 2005 von Armstrong zwei Spenden von insgesamt 125.ooo Dollar erhalten zu haben. 2011 beschuldigt Tyler Hamilton Armstrong des vielfachen Dopings. Das Anti-Doping-Labor in Lausanne wird beschuldigt, positive Dopingproben von Armstrong unterdrückt und diesen über neue Untersuchungstechniken informiert zu haben.

In der USADA-Klageschrift wird auch Pepe Marti beschuldigt, der langjährige Teamchef von Alberto Contador, dem Tour-Sieger von 2010. Mehr als zehn Radrennfahrer haben gegen Armstrong ausgesagt. Bei den Teams Postal und Discovery soll von 1998 bis 2007 systematisch gedopt worden sein. Hauptsächlich mit Epo, dem berüchtigten Blutverdicker. Genommen wurde das Mittel überwiegend oral mit Olivenöl vermischt. Genannt werden ebenso Testosteronpflaster, Wachstumshormone, Kortikoide sowie Plasma- und Salzlösungen. Letztere wurden gebraucht, um Fahrer mit Hämatokritwerten über 50 zu schützen.

Um die Entdeckung von Blutdoping und das Überschreiten des Hämatokritwertes zu vermeiden, haben die Beschuldigten verbotene Techniken von Salz-, Plasma- oder Glyzerin-Infusionen verwendet. Viele Fahrer von 1998 bis 2007 sagten aus, dass der Hämatokrit stets von größtem Interesse für Teamdirektor Bruyneel war und dass Trainer Marti und die Doktoren Celaya und del Moral Salz- und Plasmalösungen bei Fahrern infundiert haben. Von der Tour de Suisse 2001 liegen positive Tests von Armstrong vor.

Die Fahrer, die gegen Armstrong ausgesagt haben, sind neben

Floyd Landis und

Tyler Hamilton

George Hincapie,

Levi Leipheimer,

Christian Vandevelde und

David Zabriskie.

Die vier früheren Helfer vom Team US Postal haben auf eine Nominierung für die US-Olympiamannschaft verzichtet, für die sie eigentlich bei Olympia 2012 in London  starten wollten.

Die Staatsanwaltschaft Padua hat allein für 2006 eine Überweisung Armstrongs an den Dopingarzt Michele Ferrari in Höhe von 465.000 Dollar entdeckt. Wieso Armstrong so viel Geld an einen Arzt überwies, dessen Inanspruchnahme er 2001 hatte einräumen müssen und den er nach Aussagen aus 2011 seit 2004 nicht mehr konsultiert hatte, ist unklar.

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