676: Türkischen Fans droht wegen Politik lebenslange Haft.

Die Fans der drei großen Istanbuler Fußballklubs

Galatasaray,

Fenerbahce und

Besiktas

sind üblicherweise total miteinander verfeindet (Deniz Yücel, taz 10.9.14; Christiane Schlötzer, SZ 22.9.14). Nur einmal kam es zu einer historischen Verbrüderung. 2013 auf dem Taksim-Platz. Die Fans solidarisierten sich mit den Demonstranten und riefen

„Überall ist Taksim, überall ist Widerstand.“

Die Klubs sind nach Stadtteilen benannt. Ihre Fans nennen sich teilweise selbst „Ultras“. Im „linken“ Stadtteil Besiktas ist der politisch aktivste Fanclub „Carsi“ zu Hause. „Carsi“ hat sich gegen den Bau eines Atomkraftwerks am Schwarzen Meer engagiert, gegen den Abriss eines historischen Theaters in Istanbul protestiert und sich mit den Familien der Bergleute von Soma solidarisiert, wo 301 Menschen im letzten Jahr bei einem Grubenunglück starben.

Nun sind im System Erdogan „Carsi“-Mitglieder angeklagt, sie hätten die Regierung stürzen wollen. Zwei Ultras droht eine lebenslängliche Strafe. „Natürlich wollten wir, dass die Regierung zurücktritt“, sagt einer von ihnen. „Das war eine Reaktion auf das Verhalten des Staates: Die Brutalität, mit der die Polizei gegen die jungen Leute im Gezi-Park vorgegangen ist, hat uns und Millionen andere auf die Straße getrieben. Aber wir sind Fußballfans, wie sollten wir putschen können.“

Insgesamt sind 35 Fußballfans von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Auf die Urteile dürfen wir gespannt sein.

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