466: Leitmedien und Alpha-Journalisten

Unter Leitmedien verstehen wir solche Massenmedien, die von Journalisten dann genannt werden, wenn sie nach den Medien gefragt werden, die sie selber häufig nutzen. Üblicherweise werden dann erwähnt die „Süddeutsche Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“, „Die Zeit“, die „Tagesschau“, die „Tagesthemen“, „Heute“, „Heute-Journal“ und andere meistens immer wiederkehrende Medien. Leitmedien sollen einflussreich sein. Viele nehmen an, dass andere Massenmedien ihnen hinterher berichten (Peter Zudeick, SZ 31.1213/1.1.14).

Das ist nun untersucht worden:

Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Köln (Herbert von Halem) 2013, 320 Seiten, 29,50 Euro.

Krüger nimmt im Ergebnis sogar an, dass es nicht einzelne Medien sind, die als Meinungsführer agieren, sondern etwa auf dem Feld der Außenpolitik vier tonangebende Redakteure von vier Zeitungen („Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“, „Die Zeit“). Das betrachten einige von uns gewiss als bedenklich.

Krügers Haupt-Hypothese ist, dass es die „personelle oder institutionelle Nähe deutscher Leitmedien zu Eliten aus Politik und Wirtschaft“ ist, welche die Berichterstattung bestimmt. Er hat 219 Journalisten auf ihre Netzwerke hin untersucht (von 921 in Berlin akkreditierten Journalisten wird also nur ein Teil analysiert). Auf Verbindungen zu Vereinen, Verbänden, Stiftungen, Think Tanks, Hintergrundkreise. Und siehe da: Für die Verbindung zu den Eliten gibt es sehr viele Indizien. Das ist allerdings keine Beweis dafür, dass die Journalisten von den einflussreichen Kreisen gesteuert werden. Es kann ja auch sein, dass die betreffenden Journalisten aus eigener Überzeugung so argumentieren, wie sie es tun, dass sich die Nähe oder Zugehörigkeit zu den betreffenden Netzwerken sich daraus erst ergibt.

Wenn wir die Außenpolitik einmal für einen Moment außer Betracht lassen, was wäre eigentlich schlimm daran, wenn Journalisten wie

Kurt Kister („Süddeutsche Zeitung“),

Frank Schirrmacher („Frankfurter Allgemeine Zeitung“),

Giovanni di Lorenzo („Die Zeit“),

Volker Zastrow („Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“),

Heribert Prantl („Süddeutsche Zeitung“) und

Thomas Schmid („Die Welt“)

bei uns das Meinungsklima bestimmten? Nichts. Sie müssen alle nur frei schreiben dürfen. Und das ist ja wohl der Fall. Also: Meinungsmacht ja, aber keine manipulierte und gezinkte mit Untertanenmentalität, sondern freier Qualitätsjournalismus.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.