585: Fußball: Brasiliens Stärke liegt in der Abwehr.

Cacau hat 2010 bei der Fußballweltmeisterschaft für Deutschland gespielt. Der geborene Brasilianer absolvierte 2013/14 seine letzte Saison beim VfB Stuttgart. Michael Ashelm hat ihn für die FAS (25.5.14) interviewt.

FAS: Was denken Sie so kurz vor der Fußball-WM über Ihr Heimatland Brasilien? Werden wir Chaos sehen, Demonstrationen überall? Oder kommt es doch noch zur großen Samba-WM-Party?

Cacau: Ich wäre zu optimistisch, wenn ich sagen würde, alles wird ganz toll. Ich habe ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits bin ich Fußballfan und hoffe auf eine spannende WM mit interessanten Spielen und großen Emotionen. Auf der anderen Seite schmerzen die Bilder, die um die Welt gehen, mit gewalttätigen Auseinandersetzungen auf der Straße und Planungschaos bei den Stadien. Aber es ist auch gut, dass sich das politische System in Brasilien damit entlarvt.

FAS: Wie ist die deutsche Nationalmannschaft auf Brasilien vorbereitet? Die Mannschaft wird ihr WM-Lager weit weg von den Metropolen einsam am Meer aufschlagen. Ist das sinnvoll?

Cacau: Das ist gut. Die Mannschaft braucht zwischen den Spielen Ruhe, muss entspannen. Ich weiß das noch von Südafrika. Da war das Quartier ebenfalls weit weg vom Schuss, mitten auf dem Land. Ich gehe davon aus, dass alles wieder perfekt durchgeplant ist. Wenn man sich dann noch eine gewisse Lockerheit aneignet im Umgang mit den täglichen Problemchen, die in Brasilien kommen werden, dann ist das okay. Oliver Bierhoff hat ja schon in Italien gelebt und Jogi Löw in der Türkei trainiert. Sie kennen die südländische Mentalität.

FAS: Die Teams aus England und Holland wohnen in Rio de Janeiro, direkt an der Copacabana.

Cacau: Unglaublich. Das hätte ich nie gemacht. Was für eine Unruhe, ein Lärm, überall hübsche Frauen, die werden sich nur schwer konzentrieren können.

FAS: Wo liegen die Stärken der brasilianischen Mannschaft?

Cacau: So verrückt es klingt, die Defensive ist ihre große Stärke. Das war lange nicht so. Mit Thgiago Silva und David Luiz stehen hinten die beiden besten Innenverteidiger der Welt. Dazu kommt noch Dante als Backup. Dani Alves und Marcelo sind starke Außenverteidiger. Vor der Abwehr räumen Luis Gustavo und Paulinho konsequent ab. Das ist ein gutes Fundament, um wenige Tore zu bekommen. Und nach vorne sind die Brasilianer immer gefährlich, wenn auch diesmal nicht ganz so dominant. Dazu kommen die Emotionen von den Zuschauern, die ihr Team nach vorne peitschen werden.

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