Helmut Digel hat im Kampf gegen das Doping im internationalen Hochleistungssport resigniert. Als Sportsoziologe, Mitglied im Council des Internationalen Leichtathletik-Verbands (IAAF) und ehemaliger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands hatte er engagiert gegen den Dopingbetrug gekämpft. Jetzt ist sein neues Buch „Verlorener Kampf“ erschienen (Klaus Schlütter „Die Welt“, 28.12.13).
Darin schreibt Digel: „Viele Initiativen gegen den Dopingbetrug waren erfolglos oder haben sich als unzureichend erwiesen. Immer deutlicher kommt zum Tragen, dass die eigentlich am Betrug Beteiligten an einer wirklichen Aufklärung und Bekämpfung nicht interessiert sind. Dies gilt für
die Politik,
die Wirtschaft und
die Sportorganisatoren
gleichermaßen. Es gilt aber auch für
die Athleten und
die Trainer.
Es muss deshalb von einem verlorenen Kampf gesprochen werden.“
Olympia 1976 in Montreal gilt allgemein als Auftakt flächendeckender Doping-Manipulationen. Digel sagt: “ Ich war geschockt von dem, was in manchen Sportarten üblich war. Ich kannte den Hochleistungssport aus meiner Zeit als Handballspieler beim Bundesligaverein SV Möhringen. Da war Doping nie ein Thema. Erst in Montreal wurde mir so richtig klar, wie sehr der Hochleistungssport nicht nur in der DDR, sondern auch bei uns schon versaut war.“
Der Fall Dieter Baumann war der Höhepunkt in Digels Kampf gegen das Doping. „Die Frage nach Schuld und Unschuld dieses Athleten beschäftigte den Verband jahrelang bis zur Bestätigung der Zweijahressperre durch das Schiedsgericht des IOC.“ Mittlerweile hat es in allen
28 olympischen Sportarten
positive Tests gegeben. Nach Digels Meinung wird auch im Fußball das legere Kontrollsystem unterlaufen. Bisher wurde kein Funktionär, kein Verband sanktioniert. Und die Athleten stecken in der Doping-Falle. Bleiben sie sauber, sind sie chancenlos. Also müssen sie mitmachen oder mit dem Spitzensport aufhören.
Digels Vorschlag: „Usain Bolt macht mit seinen Sprints Millionen im Jahr. Spitzenathleten wie er müssen verpflichtet werden, fünf Prozent ihrer Preisgelder zum Schutz des eigenen Produkts auszugeben.“ Da kann Helmut Digel lange warten. Und uns bleibt nichts anderes übrig, als das korrupte Hochleistungssport-System weiter zu dulden.