532: Uli Hoeneß‘ „grandioser Selbstbetrug“ entspricht der Mentalität von IOC und Fifa.

Claudio Catuogno schreibt (SZ 15.11.13): „Wenn man für einen Moment aus nichtbayerischer Distanz auf die Szene blickt: dann steht da ein vorbestrafter Uhrenschmuggler und hält eine Lobrede auf einen geständigen Steuerhinterzieher, und beide zusammen, Uhrenschmuggler und Steuerhinterzieher, bilden das Führungsduo des derzeit vermutlich besten Fußballvereins auf der Welt.“

Uli Hoeneß hat auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern den „Jahresbericht des Präsidenten“ in eigener Sache genutzt. Er verwies auf seine „von drei Spezialisten“ erstellte Selbstanzeige seines Steuerbetrugs mittels eines Schweizer Kontos. „Jetzt kommt es zum Prozess, und ich vertraue auf die bayerische Justiz, ich vertraue darauf, dass ich einen fairen Prozess bekommen werde.“ Seine Bayern-Mitglieder haben ihm schon verziehen und nach seinen Autogrammen angestanden.

Hoeneß hat zum Ausdruck gebracht, dass ihm seiner Meinung nach Unrecht geschieht. Den rund 3.000 Bayern-Mitgliedern rief er zu: „Ich verspreche Ihnen, wenn ich dabeibleiben kann, werde ich diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann.“ Falls es einen Freispruch oder eine Bewährungsstrafe gibt, wird Hoeneß auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Vertrauensfrage stellen. Wie die beantwortet wird, ließen die Bayern-Mitglieder schon erkennen.

Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte von Transparency International, sagte dazu: „Hoeneß hat bis heute nicht verstanden, dass Glaubwürdigkeit und Reputation nicht verwechselt werden dürfen mit Emotionen und Anerkennung der Basis.“

Und Ralf Wiegand schreibt sogar (SZ 15.11.13): „Was für ein grandioser Selbstbetrug das ist. Hoeneß will nicht abwarten, wie das Gericht urteilt, vor dem er landen wird als geständiger Steuerhinterzieher. Er hat sich sein Urteil schon vorher bestellt und abgeholt, bei seinen eigenen Leuten. Freispruch. Warum dann ein Amt ruhen lassen? Die Bayern-Familie steht in Treue fest zusammen zu ihm, dem Patriarchen. Hat wirklich jemand etwas anderes erwartet? Wo habe ich mehr Verbündete als in einer Fußballmannschaft, die geschlossen auf dasselbe Tor zurennt?

Von Uli Hoeneß hätte man nicht erwartet, dass er so tickt wie der gesamte Spitzensport. Dort ist man seit jeher der Auffassung, sich sein eigenes Recht zu machen. Die Fifa funktioniert so, viel kritisiert von Hoeneß, das Internationale Olympische Komitee noch viel mehr, in München gerade dafür abgewatscht, sogar die Dopingfahndung funktioniert so: eigene Gesetze, Gerichte, Strafen. Komisch wird es immer dann, wenn die Helden des Sports den Wirkungskreis ihrer eigenen Regeln verlassen und mit dem echten Gesetz in Konflikt geraten. Wenn Heldentum nicht zählt.

Draußen gelten andere Regeln. Ämter sind geliehen. Es sind Funktionen, die man besonders vertrauenswürdigen Personen andient. Sie sind kein persönlicher Besitz, sie sind kein Orden, sie sind nur: Aufgaben. Aufsichtsratsvorsitzender zu sein, ist so eine Aufgabe. Hoeneß hätte ohne jeden Gesichtsverlust beides haben können: Als Präsident den warmen Beifall seiner Freunde in der Bayern-Familie u n d  die Größe, wenigstens den Aufsichtsratsposten ruhen zu lassen. Er hat ja jetzt die Gewissheit, jederzeit zurückkehren zu können, wenn das Urteil draußen so ausfällt, wie es drinnen schon feststeht.“

Kommentar W.S.: Falls das Strafrecht und das Strafprozessrecht es hergeben, was ja bei der in Rede stehenden Summe (3,2 Millionen Euro) eigentlich nicht geht, bitte eine hohe Geldstrafe. Uli Hoeneß gehört nicht in den Knast. Er braucht nicht resozialisiert zu werden. Er sollte in sich gehen und seinen ehemals guten sportpolitischen Kurs wiederfinden.

P.S. (W.S.): Die Tränen von Hoeneß auf der Hauptversammlung waren wohl keine reine Berechnung. Dazu der Werder Bremen-Fan Matthias Brandt: „Diese Inszenierung, wie das jetzt genannt wird, ist keine. So ein Weinen ist nicht spielbar, für keinen Schauspieler der Welt.“

Na, dann weint mal schön, ihr Uhrenschmuggler und Steuerhinterzieher!

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.