471: Hitzlsperger hört auf.

Thomas Hitzlsperger hört mit 31 Jahren mit dem Fußball auf. 52 mal stand er in der Nationalmannschaft. Gespielt hat er für Aston Villa (Birmingham), VfB Stuttgart, West Ham United (London), VfL Wolfsburg und FC Everton (Liverpool). Christoph Kneer hat ihn für die SZ interviewt (4.9.13).

SZ: Können Sie sagen, was Sie am Ende der Karriere vor allem belastet hat?

H.: Dieses Gekämpfe, das es in diesem Beruf immer wieder gibt, auf und neben dem Platz. Man verletzt sich, kämpft sich wieder ran, verletzt sich wieder, überlegt, ob man den Arzt wechselt oder eine OP machen lässt, man kämpft sich wieder ran, es kommt vielleicht wieder ein neuer Verein, ein neuer Trainer, es gibt wieder neue Positionskämpfe – all das kostet Substanz. Es müsste sich lohnen. Ich sehe darin aber keinen Gegenwert mehr.

SZ: Konkret gefragt: Gab`s oder gibt`s denn noch gute Angebote?

H.: Na klar. Aus Deutschland und aus England hat mein Spielerberater Anfragen bekommen. Ich bin ja noch leistungsstark, kann noch was zeigen. Aber ausgerechnet in diesen Wochen und Monaten hat sich der letzte Schritt zu einem neuen Kurs herauskristallisiert. Ich habe gemerkt: ich brauche etwas ganz anderes. Daran hätte ein neuer Verein wenig geändert.

SZ: Sie waren immer einer, der sich über diese Szene Gedanken gemacht hat. Was denken Sie über die Branche, die Sie verlassen: Gefällt Ihnen noch, was Sie da sehen?

H.: Wirtschaftlich überdreht ist die Branche schon seit Langem, und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Aber das Produkt als solches ist ja tatsächlich hervorragend, der Fußball ist gut, die Stadien sind voll, man kann sich den Stadionbesuch auch leisten. Aber welche konkrete Rolle der Fußball im Alltag dieser Republik spielt, ist eigentlich nicht mehr normal.

SZ: Was sagen Sie: Wird im Fußball gedopt?

H.: Ich habe in der Kabine nie etwas erlebt, bei dem ich gedacht hätte: Könnte das jetzt Doping sein? Aber klar ist, dass es eine Grauzone gibt, beim Einsatz von Schmerzmitteln etwa. Aber so etwas Flächendeckendes, wie man das aus dem Radsport hört, habe ich persönlich nie mitbekommen, das kenne ich nicht.

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