Jan Ullrich. der Tour de France-Gewinner 1997, als Radfahrer eine Ausnahme-Begabung, aber einfachen Gemüts, will uns für dumm verkaufen. Aber wir sind nicht dumm. Ullrich hat nun Blutdoping bei Eufemiano Fuentes gestanden. Der „Märchenprinz“ des deutschen Radsports, der die Tour 1996 schon gewonnen hätte, wäre er nicht durch die Stallregie gezwungen gewesen, den späteren Doping-Trainer Bjarne Riis gewinnen zu lassen, war nach 1997 mehrere Male dem noch entschlosseneren Doper Lance Armstrong unterlegen. Dieser war – im Gegensatz zu Ullrich – rhetorisch gewandt und ein brillanter PR-Agent seiner selbst. Ein typisches Produkt der US-amerikanischen Werbegesellschaft. Ein großer Krimineller.
Ullrich, der niemals ein konkretes Geständnis abgelegt hat, aber vom Internationalen Sportgerichtshof zu einer zweijährigen Strafe verurteilt worden war, die demnächst abläuft, will uns weismachen, er habe gedopt, um Chancengleichheit zu erreichen. Das „Kasperletheater“ geht weiter. Michael Eder (FAS 23.6.13) glaubt, dass Ullrich demnächst als Kämpfer für einen „neuen Radsport“ antreten will. Ein „alter Kämpfer“ für einen „neuen Radsport“?
Es gibt einen 2.219 Seiten umfassenden Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) über Jan Ullrich und Eufemiano Fuentes, in dem akribisch Geldflüsse von einem Konto Ullrichs nach Spanien aufgeführt sind, gebuchte Flüge nach Madrid, Blutkonserven Ullrichs in Fuentes‘ Praxis (viereinhalb Liter aufgearbeitetes Blut), etc.
Jan Ullrichs Teamkollegen
Rolf Aldag,
Udo Bölts und
Erik Zabel
haben (teilweise unter Tränen) Doping mit Epo gestanden. Da soll der „Chef“ selbst sauber gewesen sein? Er möchte die Vergangenheit ruhen lassen. Wir wissen, dass dies meistens schiefgeht. Dazu die pflaumenweichen Kommentare des DOSB-Präsidenten Thomas Bach, das Geständnis komme zu spät und sei nicht umfassend. Diese Äußerungen verstehe ich als Teil des jahrelangen Wahlkampfs von Bach um den Präsidentenstuhl des IOC. Aber warum sollten die anderen Kandidaten (aus dem Sumpf des internationalen Spitzensports) eigentlich integrer, besser und glaubwürdiger sein als Thomas Bach?