Cordula Stratmann ist als Komikerin im Fernsehen sehr erfolgreich. Gegenwärtig ist sie die Partnerin von Olli Dittrich im „Frühstücksfernsehen“, einer gekonnten Persiflage. Stratmann ist für ihre klaren Urteile bekannt. Die Fünfzigjährige hat Sozialpädagogik studiert und acht Jahre als Sozialarbeiterin gearbeitet. Das hat ihr offenbar tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft ermöglicht. Für die SZ haben Alexander Mühlbauer und Uwe Ritzer sie interviewt (10.5.13).
SZ: Sind Sie ein politischer Mensch?
Stratmann: Auf jeden Fall. Ich demonstrierte schon im Bonner Hofgarten gegen die Nachrüstung. Heute interessiere ich mich für andere Fragen wie Islamunterricht in Grundschulen oder den Karikaturenstreit – der beschäftigt mich noch immer.
SZ: Und darf man sich über Mohammed lustig machen?
Stratmann: Ja, natürlich! Auch über Buddha, egal welcher Gott. Wir leben in einem freien Land, deshalb darf man hier sogar fundamentalistisch denken, man darf hier alles denken und meinen, das ist großartig. Es darf nicht sein, dass jemand wegen seiner Empfindlichkeit durchsetzt, man dürfe nicht kritische oder satirische Bemerkungen machen. Gott darf man nicht karikieren? Ja, warum denn nicht, dann dreh dich doch weg! Beleidigtsein-Wollen ist viel gefährlicher für eine Gesellschaft.
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SZ: Wann hört bei Ihnen der Spaß im TV auf?
Stratmann: Ich hasse Castingshows, da werde ich komplett humorlos. Ich verachte es zutiefst, eine Öffentlichkeit herzustellen, um jemandem zu sagen, wie Scheiße er ist. Das gehört sich nicht. Das kotzt mich an. Punkt.
SZ: Wie bei „Germany’s Next Topmodel“?
Stratmann: Genau. Heidi Klum ist Gesicht und Seele einer kaltherzigen, ekelerregenden Produktion. Niemand braucht sich entsetzt zu fragen, wie Mobbing auf Schulhöfe oder ins Netz gelangt. Frau Klum ist die Trainerin in Gehässigkeit und Herablassung.