In Zeiten von Fleischskandalen werden selbst Fußballvereine in die Diskussion einbezogen. Etwa die Fans von Werder Bremen, mit denen ich wirklich nichts zu tun habe, obwohl ich „früher“ sehr viel dort im Stadion war. Als der Verein den Geflügelproduzenten „Wiesenhof“ als neuen Sponsor gewann, trat Jürgen Trittin, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, vom Ehrenamt des „Umweltbotschafters“ bei Werder zurück. Das empfand Uli Hoeneß als einen Ausdruck einer „unglaublichen Empörungs-, auch Selbstgerechtigkeitskultur“ (Holger Gertz und Alexander Gorkow, SZ 22.2.13).
Fan-Botschafter bei Werder Bremen ist auch Matthias Brandt. Der viel beschäftigte und inzwischen sehr prominente Schauspieler, ein Sohn Willy Brandts, der als „Tatort“-Kommissar aus München auch im Fernsehen reüssiert, kritisiert Trittin viel schärfer: „Das Unangenehme an Trittins öffentlicher Wichtigtuerei ist, dass man das Gefühl hat, es steckt ausschließlich das Kalkül des Stimmenfängers dahinter – und zwar sowohl beim vermeintlich heißblütigen Bekenntnis zu Werder in seinem offenen Brief als auch bei der Distanzierung von Werder in demselben offenen Brief. Ich finde diesen Kotau vor der öffentlichen Empörung schändlich. Fan zu sein ist nicht ergebnisabhängig, erst recht nicht von Vorstands- oder Geschäftsentscheidungen. Fan sein meint: Liebe, die immer hofft und nichts erwartet. Wo gibt’s das denn sonst noch, verdammte Scheiße?“