In der SZ vom 20.12.12 wird der neue Chef-Stratege von Bertelsmann, Thomas Hesse, interviewt (Caspar Busse).
SZ: was ist in Europa anders als in den USA?
Hesse: Das Internet steht in den USA ganz anders im Mittelpunkt der Gesellschaft. Die Innovationsfreude, die unternehmerische Neugierde und Kraft haben eine andere Dimension. Die Amerikaner sind, was die Digitalisierung betrifft, einen Schritt weiter.
SZ: Woran liegt das?
Hesse: Die Amerikaner sind einfach sehr flexibel, haben einen riesigen Markt, eine einheitliche Sprache und viel Wagniskapital. Wir in Deutschland dagegen sind sehr gut in der Umsetzung, der Prozessoptimierung. Alles über den Haufen zu werfen und die Dinge neu zu erfinden, das fällt manchmal schwer, aber genau das macht die digitale Welt aus. Phantasie und Flexibilität sind gefragt.
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SZ: … Haben Zeitungen und Zeitschriften überhaupt noch eine Zukunft?
Hesse: … Am Ende sehe ich zwei Wege:
Stark fokussierte Service- und Inhalte-Angebote, die hohen Nutzwert bieten, zum Beispiel in den Bereichen Auto, Immobilien, Essen und Wohnen, die messbaren Mehrwert für die Kunden und für die werbetreibende Wirtschaft schaffen. …
Der zweite Weg besteht darin, dass Medien mit einer unverwechselbaren Stimme, einem unverwechselbaren Beitrag, ohne den Sie als Leser nicht auskommen wollen, den Weg zum gemischten Werbe- und Bezahlmedium schaffen. Und dies auf allen Kanälen, neben dem Computer vor allem auf mobilen Endgeräten. Dies betrifft zum Beispiel die Tageszeitung oder das Wochenmagazin.