Der internationale Hochleistungssport ist seit eh und je ein großes Geschäft. Das führt dazu, dass auf diesem Feld mehr gelogen und betrogen wird als wohl irgendwo sonst. Betrug, Täuschung, Verschieben von Ergebnissen und vieles Kriminelle mehr sind hier an der Tagesordnung. Und nicht immer ist es leicht zu beweisen.
Dabei ergeben sich die ungeheuren Vermarktungsmöglichkeiten daraus, dass das Publikum fasziniert ist davon, dass Rücksichtslosigkeit und Gewalt geübt werden.
Vom Radrennen wissen wir, dass es von seinen Anfängen im 19. Jahrhundert eine Doping-Sportart war. Heute ist es auf das Niveau von Lance Armstrong gesunken. Das Berufsboxen steht dafür, dass seit eh und je die Kämpfe so vereinbart und verschoben werden, wie es der Kapazitätsauslastung der Veranstalter und derjenigen, die ansonsten noch Geld damit verdienen, am besten dient. Das letzte große Beispiel dafür war der Sieg von Marco Huck.
Es ist an der Zeit, die Formel 1 (für andere Rennsportarten gilt Ähnliches) als das zu beschreiben, was sie ist, ein großes Marketinginstrument der Automobilindustrie, die damit einen wesentlichen Beitrag liefert zur Konsolidierung der deutschen Handelsbilanz. Inzwischen werden bekanntlich die meisten deutschen Autos pro Jahr in der Volksrepublik China verkauft. Das gilt auch dann, wenn kürzlich der Sohn eines hohen Funktionärs nackt in einem Ferrari verunglückt ist. Die Faszination der Formel 1 rührt daher, dass bei ihren Rennen die Rücksichtslosigkeit, Schnelligkeit und Gewalt so sichtbar sind und lustvoll genossen werden können.
Bei den großen Preisen in aller Welt herrscht in den Boxen offener Sexismus, der sich bis in die Sportreportagen hineinzieht. Es wird die Ideologie verbreitet, dass alle Probleme zu lösen sind, dass sie schnell zu lösen sind, dass sie durch Technik zu lösen sind. Das ist aus den Köpfen von einfachen Gemütern nicht so leicht wieder herauszubekommen. Ich kenne viele sportbegeisterte Männer, die ansonsten meistens ganz Problem bewusste, gebildete und sozial verträgliche Zeitgenossen sind. Manche verstehen sogar etwas von Ökologie. Würde man sie fragen, warum sie trotz ihrer Kenntnisse dennoch so große, schnittige Autos fahren, würden sie sofort damit beginnen zu begründen, dass diese Boliden am umweltverträglichsten seien. Etc.
Ich habe also nicht die Illusion, an der Faszination der Formel 1 etwas ändern zu können.
Trotzdem will ich an drei Punkten zeigen, wie moralisch verwerflich die Formel 1 ist:
1. an der Tatsache, dass der ehemalige Vorstand der BayernLB Gerhard Gribkowsky wegen Vorteilsnahme bereits im Gefängnis sitzt und dass der Formel 1-Chef Bernie Ecclestone von der Münchener Staatsanwaltschaft der Bestechung beschuldigt wird (nach Einlassungen des „Kronzeugen“ Gribkowsky);
2. an dem lebensgefährlichen Unfall beim Rennen in Spa (Belgien), wo der französische Lotus-Fahrer Romain Grosjean am siebten Unfall im zwölften Rennen beteiligt war;
und 3. an der Fälschung der Startaufstellung beim Rennen in Austin (USA) durch Ferrari, weil dadurch Fernando Alonso bessere Chancen auf die Weltmeisterschaft hat.
1. Bernie Ecclestone hat Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar gezahlt. Zur Bestechung, wie Gribkowsky sagt. Um seine Interessen in der Formel 1 zu wahren, wie Ecclestone betont, die Gribkowsky eigentlich für die Bayern LB wahren sollte, bei er damals im Vorstand war. Das Geld floss über Firmen in der Karibik und im Indischen Ozean. Und über Mittelsmänner wie den Italiener Flavio Briatore. Offizieller Gegenstand waren Beraterverträge. Nun hat Gribkowsky auch noch behauptet, die Formel 1 sei seinerzeit mit 772,6 Millionen Dollar zu billig verkauft worden. Das wäre dann die Gegenleistung für die Bestechung. Ecclestone behauptet, dass Gribkowsky bei der Staatsanwaltschaft München alles gesteht, um schneller aus dem Knast zu kommen.
2. Beim diesjährigen Rennen in Spa (Belgien) verursachte der Franzose Romain Grosjean (Lotus), wie meistens in der ersten Runde, einen schweren Auffahrunfall. Es ist üblich, dass dies in der ersten Runde gemacht wird. Dort ist es am besten zu planen. Die Methode besteht darin, anderen Fahrern auf die Reifen oder ins Auto zu fahren. Grosjean war in seinem zwölften (12.) Rennen am siebten (7.) Unfall beteiligt. Sein Bolide flog einen Meter am Helm von Fernando Alonso vorbei. Grosjean wurde für ein Rennen gesperrt und mit einer Geldstrafe von 50 000 Euro belegt. Der Abdruck seines Reifens war auf dem Auto von Kamui Kobayashi (Sauber) zu sehen.
3. Ferrari hat beim Rennen in Austin (USA) betrogen. Der noch für den Weltmeistertitel in Frage kommende Fernando Alonso stand nach dem Training nur auf Platz 9 (auch noch auf der schlechteren linken Seite). Da ordnete Teamchef Stefano Domenicali an, dass bei Felipe Massa, dem zweiten Ferrari-Piloten, der viel weiter vorne stand als Alonso, das Getrieb gewechselt werden sollte. Dafür bekam Massa die vorgesehene Strafe und wurde fünf Plätze nach hinten versetzt. Alonso rückte auf Platz acht vor auf die rechte Seite. Beim Start überholte er Kimi Räikkönen, Michael Schumacher und Nico Hülkenberg und konnte dadurch am Ende Dritter werden. Damit wahrte er seine Chancen auf den Weltmeistertitel. Der in der Fahrerwertung führende Sebastian Vettel (Red Bull) wurde während des Rennens – nicht zum ersten Mal – von dem Inder Norain Karthikeyan, einem überrrundeten Fahrer, beim Überholen behindert und konnte dadurch seine Chancen auf eine bessere Platzierung nicht wahrnehmen. Lewis Hamilton setzte seine Überholhilfe DRS ein und gewann.
So korrupt ist die Formel 1.
Ferrari verschenkte den Konstrukteurs-Titel an Red Bull, um die Chancen von Alonso zu erhalten, und gab das auch offen zu.
Viele Renn-Zuschauer haben wohl den Eindruck, dass es bei der Formel 1 zugeht „wie im richtigen Leben“, rücksichtslos und brutal. Dadurch werden für unsere Kinder und Enkel die falschen Vorbilder konstruiert. Rücksichtslose Raser und Boxen-Models oder Nummern-Girls.
Ich denke bei dem Ganzen noch an das von Ministerpräsident Kurt Beck und der rheinland-pfälzischen SPD zu verantwortende wirtschaftliche Desaster am Nürburgring. Die andere deutsche Formel-1-Strecke in Hockenheim liegt in Baden-Württemberg. Da regiert ja jetzt Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen.
Oder kann der hier auch nichts machen?
(Für Jürgen Bittrich und Michael Wolter)