265: dapd meldet Insolvenz an.

Bis vor kurzem schien die Nachrichtenagentur dapd auf Expansionskurs zu sein. Experten sprachen von einem „Kaufrausch“. Relativ viele Journalisten wechselten zu der neuen Nachrichtenagentur. Sie war von den Finanzinvestoren Martin Vorderwühlbecke und Peter Löw begründet worden und griff scheinbar sogar die dominierende Position von dpa an. Damit ist es nun schon vorbei; denn dapd hat Insolvenz angemeldet. Das betrifft zwar nicht alle dapd-Töchter, aber das Kerngeschäft. 299 der 515 Mitarbeiter sind betroffen. Die als bekennende Katholiken auftretenden Firmengründer sehen in der „Monopolstellung“ von dpa den Hauptgrund für ihr Scheitern.

Tatsächlich steht diese Insolvenz wohl für die schwierige Lage auf den Medienmärkten. Dabei ist der deutsche Nachrichtenagenturen-Markt derjenige, auf dem es am meisten Konkurrenz gibt. Zum Marktführer dpa gesellen sich die deutschsprachigen Dienste von reuters und afp sowie Spartendienste wie der Sport-Informationsdienst (sid) und die konfessionellen Agenturen kna und epd. Aber die Zahl der Zeitungstitel sinkt kontinuierlich und ebenso die Auflagen der Zeitungen. Insofern hat sogar dpa wirtschaftliche Probleme, die den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen und den Rundfunkanstalten gehört.

Die Agenturen reagieren mit der Ausweitung ihres Angebots auf die Veränderungen. Pressemitteilungen für Firmen sind heute ebenso im Angebot wie Kurznachrichten für Navigationssystem. Und da vermischen sich dann Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit, eine schwere Sünde für eine funktionierende demokratische Öffentlichkeit. Im Grunde genommen geht es wohl sogar um die Frage, wieviel seriösen Journalismus wir uns noch erlauben wollen und können. reuters (heute: thomsonreuters) verdient sein Geld seit eh und je überwiegend mit Börsendaten und nicht mit klassischen Nachrichten. Auf lange Sicht können wir auf einen Journalismus nicht verzichten, der gekennzeichnet ist von sauberer Recherche und fundierten Kommentaren. Das müssen sich die Massenmedien schon etwas kosten lassen. Dann abonnieren und bezahlen wir sie auch.

Und für diesen seriösen Journalismus benötigen wir gut ausgebildete Journalisten. Bei dapd stehen viele nun vor einer ungewissen Zukunft. Darunter auch solche, die gerade erst dorthin gewechselt sind. Außerdem werden freie Mitarbeiter vom Insolvenzverwalter wie Gläubiger behandelt.

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