217: Gribkowsky gesteht, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld bekommen zu haben

Das ehemalige Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, hat vor dem Münchener Landgericht gestanden, vom Formel 1-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld erhalten zu haben. Das Geld war über Scheinfirmen in der Karibik und Inseln im Indischen Ozean geflossen. Gribkowsky, der seit Anfang 2011 in Untersuchungshaft sitzt, hatte als Bankvorstand im November 2005 den Ausstieg der Bayern LB (damals Hauptinhaberin der Formel 1) aus der Formel 1 bewerkstelligt. Dafür hatte Ecclestone als Vermittler eine Provision von 41 Millionen Dollar bekommen. Das Geständnis Gribkowskys verringert seine zu erwartende Strafe für Steuerhinterziehung, Veruntreuung von Vermögen der Landesbank und Bestechlichkeit wahrscheinlich auf knapp acht bis neun Jahre. Nach Angaben Gribkowskys hatte Ecclestone ihm angeboten, ihn nach dem Deal als Berater zu beschäftogen.

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt seit Langem gegen Ecclestone und will eine Anklageerhebung vom Ausgang des Prozesses gegen Gribkowsky abhängig machen. Gribkowsky hatte seit seiner Festnahme Anfang 2011 zunächst eineinhalb Jahre geschwiegen. Ecclestone hat den Charakter des Bestechungsgelds anscheinend nicht als solchen erkannt. Er hatte vor dem Münchener Landgericht als Zeuge erklärt, er sei von Gribkowsky erpresst worden und habe deswegen gezahlt. Seine Anwälte wollen einen Prozess in München verhindern. So könnte er im Formel 1-Geschäft bleiben.

Klaus Ott schreibt in der SZ (23./24.6.12): „Selbst ein Strafbefehl mit Freiheitsstrafe auf Bewährung samt drastischer Geldbuße wäre wohl nicht Ecclestones Ende in der Formel 1. Er könnte sagen, das nur zur Schadensbegrenzung akzeptiert zu haben. Er habe auf sein Recht verzichtet, in einem Prozess den ihm zustehenden Freispruch zu erkämpfen, damit der Formel 1 monatelange Schlagzeilen erspart blieben. Für die Öffentlichkeit wäre ein offener Prozess um Ecclestones Machenschaften das beste. Ein Deal im Hinterzimmer wäre hingegen für den Formel 1-Impresario sehr bald die bequemste Lösung – und für die Justiz wohl ebenfalls. Den Staatsanwälten, die Ecclestone anklagten, und den Richtern, die das Verfahren eröffneten, bliebe das vermeintliche Risiko erspart, sich vor aller Welt zu blamieren.“

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.