Am 2. Mai 2012 wäre Axel Cäsar Springer, der umstrittene Verleger, 100 Jahre alt geworden. Der von ihm begründete Verlag steht heute ziemlich unangefochten auf den Medienmärkten. Über Deutschland hinaus. Wenn die ideologischen Kämpfe auch nicht mehr so scharf ausgetragen werden wie einstmals, so ist der Springer Verlag nach wie vor weltanschaulich-inhaltlich einigermaßen klar zuzuordnen. Axel Springer hat polarisiert wie kaum ein zweiter. Deswegen sind schon viele Bücher über ihn erschienen. Darunter von Autoren wie Hans-Dieter Müller, Michael Jürgs, Claus Jacobi und Hans-Peter Schwarz, alle keine publizistischen Leichtgewichte.
Nun erscheint ein neues Werk über den legendenumwobenen Verleger:
Tim von Arnim: „Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen.“ Der Unternehmer Axel Springer. Frankfurt am Main/New York (Campus) 2012, 410 Seiten, 34,90 Euro.
Der Autor ist Ökonom und hat sich hauptsächlich dem Unternehmer Springer gewidmet. Er konnte die springernahen Archive auswerten. Sein Buch beruht auf seiner Dissertation über Axel Springer. Breiten Raum gibt er der unmittelbaren Nachkriegszeit. Hier gründete Springer die Erfolgsblätter „Hörzu“ (1946), „Hamburger Abendblatt“ (1948) und „Bild“ (1952), die heute noch das Bild des Springer Verlags prägen. Mit ihnen konnte viel Geld verdient werden. Sie waren die Basis für die Zukäufe der „Welt“ und der „Welt am Sonntag“. Auch auf dem Zeitschriftenmarkt war Springer teilweise ein Großer. Sein Engagement auf dem Privatfernsehmarkt hatte nie den Erfolg anderer Sparten. Hier kamen ihm teilweise das Bundesverfassungsgericht und Konkurrenten wie Kirch und Mudoch dazwischen. Denen das, wie der Fall Kirch-Deutsche Bank zeigt, nicht immer gut bekommen ist.
Dass Axel Springer seit den sechziger Jahren zur Hassfigur der Linken werden konnte, hängt wohl damit zusammen, dass er 1957 ff. und 1968 ff. persönliche Krisen erlebt hat, die den stets sehr ideologisch denkenden und religiösen Mann geprägt haben. Das ursprünglich passable Verhältnis zu Verlegern wie Gerd Bucerius, John Jahr und Rudolf Augstein und Verlagen wie Bertelsmann verschlechterte sich enorm. Die dabei aufgerissenen Gräben sind bis heute nicht verheilt. Auch wenn der heute von Springers Witwe Friede Springer und Matthias Döpfner geführte Verlag viel Ansehen zurückgewonnen hat. In ihm erklingen viele wichtige Stimmen des liberal-konservativen Lagers. Von Arnim hat viele wichtige Zeitzeugen wie Rosemarie Springer und Christian Kracht befragt. Und ist der Springer Verlag mitschuld am Tode Rudi Dutschkes?
In einem Interview mit Andrea Seibel von der „Welt“ (10.3.2012) hat Tim von Arnim Auskunft über sein Buch gegeben. Dabei räumt er eine gewisse Faszination für den legendären Verleger ein. Insbesondere hat ihn beeindruckt, wie es Springer nach 1945 gelungen ist, seine Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Ein starkes Gespür für die Bedürfnisse großer Lesergruppen hat ihn dabei geleitet. Zum Glück sieht von Arnim aber auch Springers „Vielschichtigkeit“ und „Mehrdeutigkeit“. Springer entsprach nicht dem von den 68ern gezeichneten Abziehbild. Die von ihm ersehnte deutsche Einheit hat der bereits 1985 gestorbene Verleger nicht mehr erlebt.
Überhaupt ist es natürlich gewagt, so stark den Unternehmer in den Mittelpunkt zu stellen, dass der Politiker, der die Bundesrepublik bis 1982 stark mitgeprägt hat, eher zu kurz kommt. Das wird allein klar an den vier „Essentials“ des Springer Verlags, die lange Zeit publizistische Leitlinien für die journalistische Arbeit bei den Springer-Medien waren:
1. Eintreten für die Vereinigung Deutschland,
2. Einsetzen für die soziale Marktwirtschaft,
3. Ablehnung jeglichen Totalitarismus,
4. Aussöhnung von Juden und Deutschen und Unterstützung Israels.
An den vier Punkten wird umstandslos klar, dass sie eine Erfolgsgeschichte repräsentieren. Gerade das gute Verhältnis zu Israel war Axel Springer persönlich außerordentlich wichtig. Hier liegt das Gebiet, auf dem noch am meisten am Erfolg zum Nutzen Israels und Deutschlands gearbeitet werden kann.
Es ist übrigens angesichts der Bedeutung Axel Springers nicht verwunderlich, dass noch ein weiteres Buch zum Leben des markanten Verlegers zu seinem 100. Geburtstag erscheinen soll:
Tilman Jens: Axel Cäsar Springer – ein deutsches Feindbild. Herder Verlag.
Aber das Buch ist noch nicht erschienen.