1978: Argentinien Fußball-Weltmeister nach Vereinbarung der Ermordung von 13 peruanischen Dissidenten ?

Manche Fußballfans glauben, schon immer geahnt zu haben, dass es bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Es war die Zeit der argentinischen Militärdiktatur unter Jorge Videla. 30000 argentinische Oppositionelle verschwanden und sind nicht wieder aufgetaucht. Im Dunstkreis der Stadien wurde gefoltert und getötet. Nun präsentiert Peter Burghardt (SZ vom 9.2.2012) eine abenteuerliche Theorie. Es geht um den Einzug Argentiniens ins Finale. Nach dem 3:1 Brasiliens gegen Polen im letzten Gruppenspiel benötigten die Gastgeber einen Sieg über Peru mit mindestens vier Toren Differenz, um das Endspiel zu erreichen.

In Rosario gewann Argentinien mit 6:0 durch je zwei Tore von Mario Kempes und Leopoldo Luque sowie Tore von Alberto Tarantini und René Houseman. Drei Tage später wurde es im Estadio Monumental von Buenos Aires gegen die Niederlande mit 2:1 Weltmeister. Dieser Sieg passte sehr gut ins Konzept der Miltärjunta, die sich 1976 an die Macht geputscht hatte. Später wurde bekannt, dass vor dem Spiel gegen Peru der argentinische Dikator und der US-amerikanische Au0ßenminister Henry Kissinger die peruanische Kabine aufgesucht hatten. Vorher schon hatte Videla den Organisationschef der Weltmeisterschaft, Carlos Alberto Lacoste, beauftragt, Peru mit 35 Tonnen Weizen und der Freigabe eines Kredits von 50 Millionen Dollar gefügig zu machen. Drei peruanische Nationalspieler gaben an, man habe ihnen je 20000 Dollar geboten. Der peruanische Spieler Juan Oblitas fühlte sich durch die Präsenz Videlas und Kissingers in der Kabine eingeschüchtert.

Nun schildert Burghardt eine noch viel kriminellere Theorie: Danach behaupten Zeugen, dass vor dem 6:0 die „Vernichtung“ von 13 peruanischen Dissidenten zwischen der argentinische Militärjunta und dem peruanischen Militärdiktator Francisco Morales Bermúdez vereinbart worden sei. Bei der Verfolgung von Oppositionellen arbeiteten die Regimes offenbar zusammen. Der Zeuge Genaro Ledesma Izquieta hat ausgesagt, dass er mit zwölf weiteren Oppositionellen aus Peru entführt worden sei, damit sie in Argentinien beseitigt würden. Damals arbeitete die Junta mit der Methode, Gefangene zu betäuben und dann in den Rio de la Plata oder ins Meer werfen zu lassen. Ledesma: „Deshalb nahm uns Videla als Kriegsgefangene an, unter der Bedingung, dass Peru einen Triumph Argentiniens bei der WM erlaubt, denn das war wichtig für Videla.“ Die Tat sei nur deshalb nicht ausgeführt worden, weil bei der Landung der Gefangenen ein Journalist fotografiert habe. Durch den internationalen Druck seien die Verschleppten nach Mexiko, Frankreich und Schweden ausgeflogen worden.

Der 86-jährige General Jorge Videla ist bereits verurteilt worden und steht wegen weiterer Delikte vor Gericht. Gegen den 90-jährigen früheren Machthaber Perus, Francisco Morales Bermúdez, wurde wegen mutmaßlichen Kidnappings ein internationaler Haftbefehl erlassen. „Zum Thema Fußball schweigen beide.“

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