Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm gegen das Outing von schwulen Fußballern

In der „Frankfurter Rundschau“ hat sich Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm (FC Bayern München) am Wochenbeginn erneut gegen das Outing von schwulen Fußballern ausgesprochen (Outing hieß ja ursprünglich Coming out, ich folge hier der heute gängigen Bezeichnungsweise). „Im Stadion geht es selten politisch korrekt zu. Fußball ist wie früher Gladiatorenkampf. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft schon so weit ist, schwule Profi-Fußballer als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren, so wie es in anderen Bereichen bereits möglich ist.“ Politiker müssten nicht Woche für Woche vor 60000 Zuschauern spielen.

Lahms Einstellung hat Kritik gefunden. Zum Beispiel auf dem DFB-Dialogforum „Vor dem Ball sind alle gleich.“ Dort sagte Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: „Wir hätten uns gewünscht, dass Herr Lahm motiviert hätte, solche Tabus zu brechen und gesagt hätte: Outet Euch, wir als Team, wir fangen euch auf. Das wäre ein Symbol gewesen, das wäre deutlich gewesen.“ Lüders hat Lahm aufgefordert, nochmals über die Lage nachzudenken.

Schärfer formuliert der Brite John Amaechi, ein früherer NBA-Profi, seine Kritik an Lahm: „Lahm muss doch ein Vorbild sein in seinen Äußerungen, oder er muss den Mund halten.“ Und weiter: „Wenn ich ein Fan wäre, dann hätte ich die Nase voll davon, dass ich für engstirniges Verhalten verantwortlich gemacht werde.“ Nach Amaechis Meinung sind die Fans viel toleranter als gedacht.

Das sieht der Fan-Forscher Gunther Pilz, Professor für Soziologie an der Universität Hannover, anders. Für ihn herrscht in der Ultra-Kurve „Pöbel-Kultur“. „Das Schlimmste, was man dort sein kann, ist schwul.“

Meines Erachtens ist die Einschätzung von Gunther Pilz eher realistisch. Und insofern gebe ich Philipp Lahm Recht. Das ändert aber nichts daran, dass wir an unserem Ziel festhalten, für Homosexuelle auch im Fußball die gleichen Bedingungen zu schaffen wie für Nicht-Schwule. Das sind wir unserem eigenen Anspruch an eine wirklich offene und freiheitliche Gesellschaft schuldig. Bei Verfolgung unseres Ziels bedarf es der Klugheit, Geduld und optimistischen Beharrlichkeit. Bei allen zu erwartenden Rückschlägen können wir auch in nächster Zeit noch manchen richtigen Schritt tun.

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