Die Themen von Uli Hoeneß: Blatter und die Fifa, Investmenbanken, Hedgefonds, Rohstoffspekulanten und Finanzmärkte

Zum 60. Geburtstag von Uli Hoeneß sollte hier eigentlich nichts stehen, weil er schon überall sonst „gefeiert“ wird. Nun  haben aber Andreas Burkert, Claudio Catuogno und Klaus Hoeltzenbein den Bayern-Präsidenten in der SZ interviewt (5./6.1.2012), wo er in aller Klarheit mehrere sehr wichtige Themen anspricht, über die nicht immer so klar gedacht wird wie bei Hoeneß. Da sagt Hoeneß etwa

zu Sepp Blatter und der Fifa:

„Der FC Bayern darf nicht beliebig werden. Wir müssen uns äußern. Zum Beispiel in der Fifa-Sache, da werden wir jetzt auch wieder voll attackieren. … Es kommt ja jede Woche was Neues! Blatter muss in den nächsten zwölf Monaten ganz klar erklären, wie er diesen Sumpf austrocknen will, und wenn er das nicht schafft, muss man Möglichkeiten schaffen, ihn abzusetzen.“ Auf die Frage, ob die Leute, die über Jahre kassiert hätten, dann im Fifa-Vorstand blieben: „Die müssen eben da raus.“

Zu Investmentbanken und Hedgefonds:

„.. ich habe das erste Mal das Gefühl dafür verloren, wie man das Thema Geldanlage anpacken soll. Früher hast Du gesagt: Wenn eine Firma gut arbeitet, wird die Aktie steigen. Und wenn nicht, dann fällt sie. Das ist längst erledigt. Jetzt ist es ein reiner Computermarkt, und das öffnet natürlich der Manipulation Tür und Tor. … Da sagt ein großer Hedgefonds morgens: Heute gehen wir mal auf die ‚Societé Generale‘ los. Dann wird über die Quellen, die man eben so hat, lanciert: Die Bank hat auch noch ein paar faule Kredite, und dann geht die Aktie eben an dem Tag zehn, zwölf Prozent runter. Der Hedgefond kassiert, andere Leute verlieren.“

Zur Rohstoffspekulation:

„Wenn ich einen ‚Call‘ kaufe, also darauf wette, dass der Reispreis steigt, und dann steigt der Reispreis, ohne dass es Ernteausfälle gibt, nur wegen der Spekulation – ja was passiert denn dann? Dann kann sich der Mann in Bangladesch seinen Reis nicht mehr leisten, und am Ende sterben deshalb womöglich seine Kinder. Das ist eine Perversion. … Weg mit der Spekulation auf Rohstoffe! Her mit der Reglementierung der Finanzmärkte! Die Finanzwirtschaft hat überhaupt keinen volkswirtschaftlichen Nutzen.“ Auf den Einwand, sie mache aber doch viele Leute reich, sagt Hoeneß: „Ja, und auf der anderen Seite viele arm. Wenn rechts einer gewinnt, muss ja links einer verlieren.“

Zu den Gagen in der Fußballbranche klärt Uli Hoeneß uns auf:

„Damit habe ich kein Problem, solange die Spieler in der Lage sind, das Geld, das sie verdienen, für den Verein auch wieder einzuspielen. Das sage ich den Spielern auch immer. Der wichtigste Unterschied ist aber: Bei uns gibt es keine Gegenseite, die Geld verliert. Bei uns gewinnen alle.“

Zum Champions League-Titel:

„An einem Tag kannst du jeden schlagen, auch Barcelona. Wir müssen jetzt erst mal im Achtelfinale den FC Basel besiegen, dann die Meisterschaft gewinnen, und im DFB-Pokal wollen wir nach Berlin ins Endspiel. Also: Es wird sowieso ein Höllenvierteljahr.“

Dazu wünsche ich dem FC Bayern viel Glück und Erfolg! Uli Hoeneß gratulieren wir zum Geburtstag. Seine klugen und durchdachten Ideen zur Politik zeigen uns, dass der Mann eigentlich auch in die Politik gehört. Dort werden Männer seiner Analysefähigkeit und Durchsetzungskraft dringend gebraucht. Und nicht Betrüger und Bundespräsidenten-Darsteller.

Hat man solche Äußerungen wie von Uli Hoeneß schon einmal von Werder Bremen oder dem FC St. Pauli gehört, den Vertretern des fußballerischen realen Sozialismus? So viel Klarheit in der Kapitalismus-Kritik, ohne den Kapitalismus abschaffen zu wollen, weil wir ihn noch brauchen, ist selten. Ein herausragender Mann, der Präsident des FC Bayern.

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